KI-Rechenpower: So rüstet Europa auf

Supercomputer, AI Factories und KI-Gigafabriken sollen die EU und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken. 


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Lesedauer:

4

Minuten

AutorIn: Stephanie Dirnbacher-Krug

Leuchtendes KI-Symbol in einer Datenwolke inmitten eines Rechenzentrums voller blauer Lichter i
Etherbrush | stock.adobe.com

Die zunehmende Nutzung von KI verschlingt Unmengen an Rechenressourcen. Um dem gerecht zu werden, investiert Europa in leistungsfähige KI-Infrastruktur. Auch Österreich spielt hier eine Rolle. 

Künstliche Intelligenz boomt – und mit ihr der Bedarf an Rechenleistung. KI-Anwendungen, -Trainings und -Simulationen erfordern gigantische Rechenkapazitäten und Energie. Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass sich der Energiebedarf von Rechenzentren weltweit bis 2030 verdoppeln wird. Größter Treiber für dieses Wachstum ist die künstliche Intelligenz. 

Dabei handelt es sich um eine eher konservative Schätzung. In Europa hat sich die Nachfrage nach speziellen KI-Rechenzentrumskapazitäten laut dem Immobiliendienstleister CBRE in den ersten drei Quartalen 2025 sogar verdreifacht.  

Das macht deutlich: Wer im globalen Wettlauf um KI mithalten will, braucht vor allem eines – hochleistungsfähige Rechenzentren.  

Die KI-Offensive der EU 

Die Europäische Kommission hat daher in mehreren Initiativen wie InvestAIdem Aktionsplan KI-Kontinent und dem Gemeinsamen Unternehmen für europäisches Hochleistungsrechnen den Aufbau einer europäischen KI-Infrastruktur zur Priorität erklärt. Das Ziel ist, technologisch unabhängig zu werden und im KI-Wettrüsten an vorderster Front mitzumischen.

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Europäisches Netzwerk aus Supercomputern 

In den vergangenen Jahren hat sich jedenfalls einiges getan. Im Rahmen von EuroHPC hat die EU in mehreren Mitgliedstaaten bisher acht Supercomputer angeschafft, die Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden einen niederschwelligen Zugang zu High Performance Computing (HPC) bieten.  

Die Hochleistungsrechner haben Namen wie Lumi, Leonardo oder Jupiter und bestehen aus Tausenden von Prozessoren, die parallel arbeiten und bis zu über eine Trillion Rechenoperationen pro Sekunde durchführen können.  

Mit dem Aufbau des EuroHPC sollen die Rechenkapazitäten für KI massiv erhöht, KI-Innovation gefördert und Europa wettbewerbsfähig gemacht werden.  

AI Factories: One-Stop-Shop für KI Use Cases 

Die Maßnahmen gehen aber weit über die Bereitstellung reiner Rechenleistung hinaus. Zusätzlich zu den Supercomputern baut die EU nämlich ein Netzwerk aus AI Factories mit KI-Hubs auf. Diese unterstützen Start-ups, Industrie und Forschung mit einem breiten Serviceangebot bei der Entwicklung und Anwendung von vertrauenswürdiger KI "made in Europe". 

Derzeit umfasst das Netzwerk 19 AI Factories in 16 Mitgliedstaaten. Eine Liste aller Standorte findest du hier

Gebündelte Ressourcen für Unternehmen und Forschung  

In den AI Factories werden Rechenleistung, Daten und fachliches Know-how gebündelt, um die Entwicklung und Anwendung von KI in Europa voranzutreiben. 

Der breite Zugang ermöglicht Forschungseinrichtungen und Unternehmen aller Größen, kostenlos auf das europäische HPC-Netzwerk zuzugreifen und KI-Projekte zu starten, zu skalieren und in die Praxis zu bringen. Davon profitieren vor allem KMU und Start-ups, denen die nötigen Ressourcen dafür fehlen. 

AI Factories verbinden Unternehmen mit Supercomputing-Zentren, Universitäten und Finanzinstituten. Das soll den Weg für neue Kooperationen und Anwendungsfelder ebnen – von Gesundheitsforschung über Klimamodellierung und nachhaltige Industrieprozesse bis hin zu Weltraumtechnologien und komplexen Sicherheitsanwendungen. 

AI Factory Austria als Anlaufstelle für KI-Projekte in Österreich

Eine dieser KI-Fabriken befindet sich auch in Österreich: Die AI Factory Austria (AI:AT) in Wien hat im Sommer 2025 ihre Arbeit aufgenommen. Sie wird vom Austrian Institute of Technology und von der Advanced Computing Austria GmbH geleitet.

Als zentrale Anlaufstelle für das KI-Ökosystem in Österreich bietet sie Beratung und Zugang zu einer hochmodernen, KI-optimierten Supercomputer-Infrastruktur. Damit können Start-ups, Unternehmen und Behörden KI trainieren und auf ihre Anwendungsfelder übertragen. Zusätzlich wird ein AI Factory Hub eingerichtet, der als One-Stop-Shop, Coworking-Space und Community-Zentrum dient.

Noch greift die AI:AT auf den italienischen Supercomputer Leonardo zurück. Ein eigener Supercomputer, der auf dem Vienna Scientific Cluster aufbaut, soll 2026 angeschafft werden und 2027 in Betrieb gehen.

Mehr über das KI-Ökosystem in Österreich erfährst du hier.

Erste Anwendung mit medizinischen Daten 

Ein erstes Projekt in der AI Factory Austria läuft bereits: Das Wiener Technologieunternehmen Zenta Solutions nutzt die europäischen HPC-Ressourcen, um KI-basierte Verfahren zur Strukturierung und Auswertung medizinischer Datensätze zu entwickeln. Weitere Projekte befinden sich laut AI:AT in der Pipeline. 

Förderung für KI-Gigafabriken in Milliardenhöhe 

Neben dem Ausbau von Supercomputern und KI-Fabriken plant die EU bereits den nächsten Schritt: die Errichtung fünf sogenannter KI-Gigafabriken.

Darunter versteht man großindustrielle Rechenzentren, die viermal leistungsfähiger als KI-Fabriken und auf die Entwicklung hochkomplexer KI-Modelle mit Billionen Parametern ausgelegt sind.

Diese Daten- und Computing-Hubs werden gebraucht, um KI-Modelle der nächsten Generation zu trainieren und die Technologieführerschaft Europas zu stärken. Für die Initiative macht die EU rund 20 Mrd. Euro locker. "Wir mobilisieren Kapital in nie dagewesenem Umfang für europäische KI-Gigafabriken, damit unsere Unternehmen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler modernste, sehr große Modelle entwickeln können, die Europa zum KI-Kontinent machen", sagt Henna Virkkunen, Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission für technologische Souveränität, Sicherheit und Demokratie.

Die Grundlage für europäische KI-Innovation 

Das Engagement der EU für den Aufbau eines europäischen HPC-Systems lässt keinen Zweifel an dessen Bedeutung. Eine hochleistungsfähige KI-Infrastruktur ist die Grundlage, um die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit Europas im Bereich der künstlichen Intelligenz zu stärken.

Denn KI-Innovation wird dort stattfinden, wo es die entsprechenden Rahmenbedingungen gibt; das bedeutet einerseits eine hochleistungsfähige KI-Infrastruktur und andererseits einen Zugang zu günstiger und erneuerbarer Energie.

Im Vergleich zu den USA hat Europa zwar erheblichen Aufholbedarf. Gleichzeitig eröffnet sich jedoch die Chance, sich im globalen KI-Wettbewerb abzuheben – etwa durch den Aufbau von Hochleistungsrechnern, die auf sauberer Energie basieren und speziell für die Entwicklung vertrauenswürdiger, sicherer KI-Anwendungen konzipiert sind. 

Das Wichtigste in Kürze: 

  • Um die wachsende Nachfrage nach KI-Rechenleistung zu decken, baut Europa mit dem EuroHPC Joint Undertaking ein High-Performance-Computing-Netzwerk auf. 
  • Hochleistungsrechner und Unterstützungsangebote in KI-Fabriken sollen die Entwicklung von vertrauenswürdiger KI aus Europa fördern.  
  • Auch Österreich verfügt über eine KI-Fabrik, die AI Factory Austria. Sie unterstützt Start-ups, KMU, große Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden bei der Entwicklung und Anwendung von KI-Modellen. 
  • Neben den Supercomputern und KI-Fabriken will die EU fünf KI-Gigafabriken errichten. Das sind Großanlagen, die sich der Entwicklung und Schulung von KI-Modellen der nächsten Generation widmen und Billionen von Parametern enthalten.  
  • Ein europäisches HPC-Netzwerk ist die Voraussetzung dafür, um KI-Innovation in Europa voranzutreiben.