Ob Wärmepumpen, Photovoltaikanlagen oder Energiespeicher – wenn es um die Zukunft der Energieversorgung geht, ist Österreich vorne dabei.
Das Wichtigste in Kürze:
- Österreich treibt die Energiewende mit innovativen Umwelttechnologien voran. Der Schwerpunkt liegt auf erneuerbaren Energietechnologien.
- 2023 erwirtschaftete die heimische Umwelttechnikindustrie mehr als ein Drittel ihres Gesamtumsatzes mit erneuerbaren Energietechnologien und investierte 10,8% ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung dieses Bereichs.
- Zu den Schwerpunkten zählen Wasserkraft, Wärmepumpen und emissionsarme Heizkessel.
- Im Photovoltaikbereich punkten heimische Betriebe mit Nischenprodukten.
Österreich erfolgreich unterwegs
Die Energiewende ist der grundlegende Umbau unseres Energieversorgungssystems. Sie verfolgt das Ziel, durch eine Senkung der Treibhausgasemissionen Klimaneutralität zu erreichen. Im Wesentlichen bedeutet das: Weg von fossilen Energieträgern wie Kohle, Gas und Öl, hin zu erneuerbaren Quellen wie Solar-, Wind- oder Wasserkraft.
Gerade in Zeiten geopolitischer Konflikte zeigt sich, wie teuer und riskant die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist – steigende Benzinpreise und Lieferschwierigkeiten machen das deutlich. Dadurch gewinnt die Energiewende zusätzlich an Bedeutung.
Dabei spielen auch Technologien zur CO₂-armen Strom- und Wärmeerzeugung sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz eine wichtige Rolle.
Österreich ist in diesen Zukunftsmärkten erfolgreich unterwegs.
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Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien
Österreich deckt derzeit mehr als 40% seines Energiebedarfs durch erneuerbare Quellen, vor allem durch Wasserkraft und Biomasse. Das Ziel ist, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 57% zu heben. Dazu wird vor allem der Ausbau von Photovoltaik und Wind für die Produktion von Strom stark vorangetrieben.
Neue Heiztechnologien zur CO₂-Reduktion
Bei der Erzeugung von Wärme gewinnen Wärmepumpen, Biomasseheizungen und Solarthermie zunehmend an Bedeutung. Diese Technologien arbeiten mit erneuerbaren Quellen – und das hocheffizient. Auch Maßnahmen zur Sanierung von Gebäuden und zur effizienten Nutzung von Abwärme in der Industrie leisten einen Beitrag zur Senkung der Treibhausgase in diesem Bereich.
Umwelttechnologien als Wirtschaftsfaktor
Viele heimische Betriebe tragen mit ihren Produkten und Dienstleistungen zum Wandel der Energieversorgung bei, wie eine Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts darlegt:
- Von Wasserkraftwerken über Photovoltaik bis hin zu Batteriespeichern: In der Umwelttechnik ist fast die Hälfte der Industriebetriebe auf erneuerbare Energien spezialisiert.
- Mehr als die Hälfte der Umwelttechnik-Startups haben in diesem Bereich ihren technologischen Schwerpunkt.
- Ein Drittel der Industriebetriebe entwickelt Produkte, Verfahren oder Steuerungsmethoden, um die Energieeffizienz zu verbessern.
Hohe Wertschöpfung und intensive Forschung
Die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser beiden Bereiche ist groß: Im Jahr 2023 erwirtschaftete die heimische Umwelttechnikindustrie 36% ihres Gesamtumsatzes – rund 6,3 Mrd. Euro – mit erneuerbaren Energietechnologien. Energieeffizienzlösungen trugen 34% bzw. etwa 5,8 Mrd. Euro bei.
Gleichzeitig investierte die Branche kräftig in die Technologieentwicklung:
- 10,8% des Umsatzes flossen in Forschung und Entwicklung von erneuerbaren Energietechnologien und
- 9,4% in Energieeffizienztechnologien.
Umwelttechnik aus Österreich: ein Zukunftsmarkt mit viel Potenzial
Wie heimische Unternehmen mit erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz erfolgreich sind.
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3 Stärkefelder für die Energiewende "Made in Austria"
Insbesondere Wasserkraft, Wärmepumpen und Heizkessel zählen zu den heimischen Stärkefeldern.
1. Stärkefeld: Wasserkraft
"Wasserkraft ist in Österreich traditionell sehr bedeutend. Sie ist nicht nur eine wichtige Säule in der Stromversorgung des Landes – mit unseren Hydropower-Technologien und Produkten sind wir auch Weltmarktführer", sagt Michael Osobsky, Geschäftsführer im Dachverband Energie-Klima (DVEK).
Als Beispiel nennt er die Turbinen und Pumpspeichertechnologien des steirischen Anlagenbauers Andritz, die weltweit im Einsatz sind. Damit kann überschüssiger Strom aus Wind- oder Solarenergie im Wasser gespeichert und bei Bedarf über den Antrieb einer Turbine wieder zur Verfügung gestellt werden. Die Pumpspeichertechnologie spielt somit eine wichtige Rolle für die Stabilität der Stromnetze.
2. Stärkefeld: Wärmepumpen
Auch in der Wärmepumpentechnologie treibt Österreich Innovation voran. Wärmepumpen arbeiten mit Strom. Sie entziehen ihrer Umwelt, zum Beispiel der Luft oder dem Boden, Energie und verdichten diese. Dadurch kommt es zu einem Temperaturanstieg, der zur Beheizung abgegeben wird.
Innovation für die Industrie
Die Clean Tech-Firma Ecop mit Sitz in Wiener Neudorf hat eine besonders innovative Wärmepumpentechnologie für die Industrie entwickelt. Die Rotationswärmepumpe nutzt die Abwärme aus der Produktion und kann über Zentrifugalkraft extrem hohe Temperaturen bis zu 200 Grad erzeugen. Anders als bei konventionellen Wärmepumpen wird dabei ein ungiftiges Edelgas als Arbeitsmedium verwendet. Die Innovation ist durch 68 Patente geschützt.
Emissionsarmes Energiesystem mit Eisspeicher
Eine weitere Innovation "made in Austria" kommt im Logistikzentrum von Ikea Österreich nahe Wien zum Einsatz: Dort erzielt ein intelligentes Zusammenspiel aus Solarkollektoren, Eisspeicher und Wärmepumpe eine CO₂-Einsparung von rund 200 Tonnen pro Jahr.
Herzstück der Anlage ist ein 1,5 Millionen Liter fassender Eisspeicher: Wenn das Wasser gefriert, wird Kristallisationsenergie frei, die zum Heizen oder Kühlen genützt wird. Das System funktioniert wie eine regenerative Batterie, die über die Solarkollektoren am Dach immer wieder aufgeladen wird – und so einen nahezu CO₂-freien Energiekreislauf ermöglicht.
3. Stärkefeld: Heizkessel
Energieeffiziente, emissionsarme Heizkessel sind ein wichtiger Baustein in der Energiewende. Sie werden mit Wasserstoff oder Biomasse – etwa Holzpellets oder Hackschnitzel – betrieben und ergänzen die wetterabhängigen erneuerbaren Energien.
In der Entwicklung hocheffizienter Heizkessel sind österreichische Betriebe weltweit führend. Die Innovationen reichen von intelligenten Hybridsystemen, die Pellets mit Wärmepumpen verbinden oder überschüssigen Solarstrom gezielt zur Wärmeerzeugung nutzen, über moderne Anlagen mit integrierten Elektrofiltern, die Staubemissionen fast vollständig eliminieren, bis hin zu KI-Anwendungen zur Steuerung oder Automatisierung von Anlagen.
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Neue Anwendungen durch CO₂-Minus-Technologie
Ein Beispiel liefert der oberösterreichische Heiztechnik-Spezialist Guntamatic mit der ersten serienmäßig produzierten Hackschnitzelheizung, die im Betrieb Pflanzenkohle erzeugt. Damit wird gleichzeitig mit der Wärmeerzeugung auch aktiv CO₂ gebunden. Für die Landwirtschaft eröffnet diese Innovation zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten: Die Pflanzenkohle kann verwendet werden, um die Böden anzureichern und fruchtbarer zu machen.
Photovoltaik: Schwerpunkt in Nischen
In der Photovoltaik hat sich Österreich in Spezialbereichen etabliert. "Heimische Betriebe konzentrieren sich bewusst auf Bereiche wie bauwerks- und dachintegrierte sowie farbige Photovoltaik oder auch Unterkonstruktionstechnologien", sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von Photovoltaic Austria.
Während sich die klassischen Märkte – Modulproduktion, Batteriespeicher und Wechselrichter – in den vergangenen Jahren stark nach Asien verlagert haben, gibt es auch in Österreich noch Unternehmen, die in diesen Bereichen produzieren und damit industrielle Wertschöpfung im Land sichern.
So etwa der Kärntner Modulproduzent Sonnenkraft. Der circa 200 Mitarbeiter:innen umfassende Betrieb hat sich auf die Integration von PV-Modulen in Fassaden, Carports, Zäune und Dächer spezialisiert und hat damit laut Geschäftsführer Reinhard Pasterk auf "das richtige Steckenpferd gesetzt, weil die Nachfrage nach gebäudeintegrierter PV steigen wird".
Fazit: Österreich ist vorne mit dabei
Die Energiewende zeigt: Österreich ist nicht nur Anwender, sondern Entwickler zukunftsweisender Energietechnologien. Heimische Unternehmen treiben den Wandel mit Innovationen in Wasserkraft, Wärmepumpen, Heizkesseln und Photovoltaik aktiv voran. Sie schaffen damit Wertschöpfung, sichern Know-how im Land und leisten einen konkreten Beitrag zu Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.
Kurz gesagt: Die Energiewende "made in Austria" ist ein starkes Beispiel dafür, wie innovativ und praxisnah Österreichs Wirtschaft an der Energiezukunft arbeitet.

