Umwelttechnik aus Österreich: ein Zukunftsmarkt mit viel Potenzial

Wie heimische Unternehmen mit erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Klimaschutz erfolgreich sind. 


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Game Changer:innen
  • Umweltbewusste

Lesedauer:

5

Minuten

AutorIn: Stephanie Dirnbacher-Krug

Closeup auf den Blazer einer Geschäftsperson, der aus Blättern besteht i
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Die österreichische Umwelttechnologie ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Hier erfährst du, was du über die Branche wissen musst.

Ob Energiewende, Kreislaufwirtschaft oder die Schonung von Ressourcen – Umwelttechnologien zählen zu den größten Wachstumsmärkten. Auch in Österreich spielt "GreenTech" eine wichtige Rolle.

Mit innovativen Produkten und Lösungen leisten österreichische Unternehmen nicht nur einen Beitrag für eine nachhaltige, lebenswerte Zukunft. Sie haben eine starke Position im internationalen Wettbewerb und tragen bedeutend zur Wettbewerbsfähigkeit, zur Beschäftigung und zum Wachstum der heimischen Wirtschaft bei.

Das möchten wir zum Anlass nehmen, um uns im Zuge einer Artikel-Reihe dem Thema GreenTech aus unterschiedlichen Perspektiven näher zu widmen.

Lese-Tipp: Hier hatten wir letztens Jahr auch schon Innovationsmanagerin Christiane Rau zum MARI€-Interview gebeten.

Los geht es mit einer Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts, welches die heimische GreenTech-Branche bis 2023 näher unter die Lupe genommen hat und spannende Zahlen, Daten und Fakten offengelegt.

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10 Fakten über die österreichische Umwelttechnik

Fakt #1: Attraktives Tätigkeitsfeld für heimische Unternehmen

Die Umwelttechnikwirtschaft in Österreich umfasst 3.326 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen mit rund 58.000 Beschäftigen (Datenbasis 2023). Seit 2019 ist die Branche damit um mehr als ein Fünftel gewachsen.

Klima- und Umweltschutz ist für fast drei Viertel der Industrieunternehmen das Hauptmotiv für ihre Geschäftstätigkeit in der Umwelttechnik. Doch auch technologische Neu- und Weiterentwicklung, strategische Ausrichtung sowie positive Markterwartungen treiben die heimischen Unternehmen an. Immer mehr Betriebe sehen Nachhaltigkeit als entscheidenden Wettbewerbsvorteil, um Kosten zu senken, Talente anzuziehen und Kund:innen zu gewinnen.

Fakt #2: Starke Wirtschaftskraft

Gemeinsam erwirtschafteten die Umwelttechnik-Unternehmen in Österreich 2023 einen Umsatz von 21,42 Mrd. Euro und leisteten mit einer Wertschöpfung von 6,6 Mrd. Euro einen wesentlichen Beitrag zur heimischen Wirtschaft. Stärkste Zugkraft war die produzierende Industrie – mit einem Jahresumsatz von rund 17 Mrd. Euro und mehr als 42.000 Beschäftigten.

Fakt #3: Großer gesamtwirtschaftlicher Effekt

Aufgrund der starken Verflechtung mit anderen Wirtschaftszweigen hat die Umwelttechnik erhebliche Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft.

Branchen wie das Grundstücks- und Wohnungswesen, der Großhandel oder Forschung und Entwicklung hängen mit der Umwelttechnik eng zusammen und profitieren daher unmittelbar: Indirekte und induzierte Effekte, z. B. durch Nachfrage bei Zulieferern sowie durch Konsum und Investitionen, generieren einen Umsatz von 41,52 Mrd. Euro.

Somit trägt die Umwelttechnik mit 15,1 Mrd. Euro Bruttowertschöpfung rund 3,6% zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.

Fakt #4: Motor für Beschäftigung

Auch bei der Beschäftigung zeigen sich starke Multiplikatoreffekte: Jeder Arbeitsplatz in der Umwelttechnikwirtschaft schafft über Vorleistungen, Konsum und Investitionen zusätzlich fast eineinhalb weitere Arbeitsplätze. Insgesamt sichert die Branche damit in Österreich rund 140.000 Jobs und in Summe Löhne in der Höhe von 8,11 Mrd. Euro.

Fakt #5: Fokus auf Energie

Dabei liegt der Schwerpunkt auf erneuerbarer Energie, ein Bereich, in dem Österreich international im Spitzenfeld liegt. Mehr als ein Drittel des Gesamtumsatzes der heimischen Umwelttechnikindustrie entfällt auf saubere Energietechnologien, einschließlich Speicherung, Regelung und Taktung. Ein ähnlich hoher Umsatzanteil wird mit Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz erwirtschaftet.

Der Fokus von Dienstleistern liegt hingegen auf Abfalltechnologien, Recycling und Kreislaufwirtschaft. In diesen Bereichen machen sie mehr als 60% ihres Umsatzes.

Fakt #6: Innovative Branche

Die hohen Anforderungen an Umwelttechnologien im Kampf gegen den Klimawandel, zur Ressourcenschonung und zum Erhalt der Biodiversität erfordern innovative Produkte und Lösungen. Forschung, Entwicklung und Innovationen spielen daher in der Umwelttechnik eine große Rolle.

Dabei zählen österreichische Umwelt- und Energietechnologien zu den innovativsten Technologien weltweit.

Die Innovationskraft zeigt sich auch in den hohen Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E):

2023 machten die heimischen Industrieunternehmen 7,2% ihres Umsatzes für Umwelttechnik locker, bei den Dienstleistungsunternehmen waren es 6,3%. In beiden Fällen lag die F&E-Quote in diesem Bereich damit über der allgemeinen F&E-Quote.

Die Investitionen tragen Früchte: Fast zwei Drittel aller Unternehmen aus der Umwelttechnikwirtschaft führten zwischen 2021 und 2023 zumindest eine Innovation ein.

Fakt #7: Umwelttechnologie als Exportschlager

Die heimischen Umwelttechnologien und -dienstleistungen sind auch im Ausland sehr gefragt. Rund 15 Mrd. Euro – mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes – generiert die österreichische Umwelttechnik in internationalen Märkten. Die wichtigsten Exportmärkte liegen in Europa mit Deutschland als größtem Abnehmer.

Besonders stark ist die Exportaktivität in der Umwelttechnik-Industrie: 2023 betrug der Exportanteil hier knapp 80%. Dienstleistungsunternehmen fokussieren sich hingegen mit einem Exportanteil von rund einem Drittel eher auf den Heimmarkt.

Fakt #8: Hürden bei Förderungen und im Export

Zu den Herausforderungen der Branche zählen:

  • Hürden bei Förderungen von Innovationen
  • Fachkräftemangel
  • geringes Eigenkapital 

Im Export erweisen sich hohe Transportkosten, Konkurrenz, die Kosten für den Markteintritt und schwierige Rahmenbedingungen in den Zielländern als Hürden für die österreichischen Unternehmen.  

Fakt #9: Wachstumszahlen bestätigen starke Entwicklung

Die Umwelttechnik-Industrie erweist sich als krisenresilient. Seit den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts weist sie steigende Wachstumszahlen auf, was Umsätze, Beschäftigte und Exporte betrifft. Von 2019 bis 2023 ist der Umsatz der Branche durchschnittlich um 8,9% pro Jahr (inflationsbereinigt um 4,4%) gewachsen – in der Umwelttechnik-Industrie sogar um 9,5%. Er liegt damit deutlich über dem Durchschnittswachstum des österreichischen BIP in diesem Zeitraum (0,6%).

Fakt #10: Positive Zukunft

Auch in der Zukunft stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Notwendigkeit einer grünen Transformation besteht unabhängig von der Regulatorik und wirkt sich positiv auf die Umwelttechnik-Wirtschaft aus.

Das betrifft auch den Arbeitsmarkt: Das Beschäftigungswachstum seit 2019 beträgt mit durchschnittlich 3% pro Jahr zwar weniger als das Umsatzwachstum. Die Studienautor:innen prophezeien hochqualifizierten Fachkräften dennoch "sehr große Chancen" in der Umwelttechnik-Wirtschaft.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die österreichische Umwelttechnik umfasst mehr als 3.000 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen und hat eine große Bedeutung für die heimische Wirtschaft.
  • Umwelttechnik-Unternehmen in Österreich erwirtschafteten 2023 in Summe rund 21,42 Mrd. Euro Umsatz und generierten über die gesamte Volkswirtschaft mehr als 41 Mrd. Euro. 
  • Größte Zugkraft ist die Umwelttechnik-Industrie. Mit einer Forschungsquote von 7,2% ist sie hochinnovativ und steigert die Wettbewerbsfähigkeit durch technologische Führung.
  • Mit einem Exportanteil von 80% sind die produzierenden Unternehmen stark exportorientiert.
  • Direkt und indirekt sichert die Umwelttechnik fast 140.000 Arbeitsplätze in Österreich.