2028 soll Ruth Roithinger das Sägewerk ihrer Familie übernehmen – in siebter Generation. Was müssen Unternehmerfamilien klären, damit die Nachfolge gelingt?
Das Wichtigste in Kürze:
- Rechtzeitig entscheiden: Wer übernimmt den Betrieb und stehen alle Familienmitglieder dahinter?
- Verantwortung aufbauen: Eine Nachfolge kann über mehrere Jahre wachsen.
- Rollen klären: Die bisherige Generation kann beraten, ohne dauerhaft weiterzuentscheiden.
- Personal vorbereiten: Auch Aufgaben, die bisher die Eltern erledigen, müssen neu besetzt werden.
Wie eine Unternehmensnachfolge gelingt, haben wir bereits mit zwei Forscher:innen der WU Wien beleuchtet – doch wie sieht die Übergabe in der Praxis aus bzw. wer steht in dieser dahinter?
Im MARI€-Interview erzählt Ruth Roithinger, wie sie sich auf die Übernahme des familieneigenen Sägewerks im Jahr 2028 vorbereitet und welche Rolle Vertrauen, klare Absprachen und Eigenverantwortung dabei spielen.
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Schritt für Schritt in die Verantwortung
Du arbeitest seit zehn Jahren im Familienbetrieb. Was verändert sich, wenn du 2028 die gesamte Verantwortung trägst?
Roithinger: Natürlich verändert sich einiges, wenn ich 2028 alleinige Inhaberin bin. Ich habe bereits viel Verantwortung übernommen und bin Schritt für Schritt in diese Rolle hineingewachsen.
Für mich ist es deshalb kein plötzlicher Wechsel, bei dem ich von heute auf morgen eine Führungsposition übernehme. Mit der offiziellen Übergabe mache ich dann noch einmal einen großen Schritt und trage die Verantwortung für den Betrieb endgültig selbst.
Der Übergabetermin steht fest. Was ist bis dahin noch zu erledigen?
Roithinger: Familienintern haben wir bereits geklärt, dass ich den Betrieb übernehmen werde. Bis dahin gibt es natürlich noch einiges zu erledigen, sowohl rechtlich als auch im Unternehmen selbst.
Eine wichtige Aufgabe ist es, in den nächsten zwei Jahren einen neuen Mitarbeiter bzw. eine neue Mitarbeiterin zu finden, der bzw. die meinen Vater in der Produktion ersetzt. Mein Vater wird mich glücklicherweise auch nach der Übergabe noch unterstützen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass er seine Pension genießen kann und nicht mehr die tägliche Verantwortung für den Betrieb tragen muss.
Betriebsnachfolge geplant? Hier findest du Unterstützung
Wer einen Betrieb übernimmt oder übergibt, hat einiges zu klären. Die Wirtschaftskammer hilft dir dabei, den Überblick zu behalten:
- Checkliste für die Übergabe: Was muss wann passieren? Von Familienfragen bis zum Rückzug aus dem Betrieb – damit du nichts Wichtiges übersiehst.
- Leitfaden zur Betriebsnachfolge: Welche rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen solltest du klären? Hier findest du Orientierung.
- Beratung zur Nachfolge: Du hast konkrete Fragen? Hier findest du die richtigen Ansprechpersonen in deinem Bundesland.
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iIch finde, es ist wichtig, offen darüber zu sprechen, wer den Betrieb übernehmen möchte und ob diese Entscheidung für alle passt.
Eigentum und Erwartungen früh klären
Warum habt ihr die Eigentumsverhältnisse und die Nachfolge schon verbindlich geregelt?
Roithinger: Ein gesundheitlicher Anlass in unserer Familie hat uns dazu gebracht, uns intensiver mit der Nachfolge zu beschäftigen. Dabei ist uns bewusst geworden, wie wichtig es ist, die Zukunft des Betriebes rechtzeitig zu klären.
Wir haben uns deshalb frühzeitig mit der Übergabe auseinandergesetzt und verbindliche Entscheidungen getroffen. Ich finde, es ist wichtig, offen darüber zu sprechen, wer den Betrieb übernehmen möchte und ob diese Entscheidung für alle passt.
Kurz erklärt: Warum zur Nachfolge auch ein Personalplan gehört
Bei einer Betriebsübergabe wechseln nicht nur Eigentum und Verantwortung. Oft müssen auch Aufgaben neu verteilt werden, die bisher die ältere Generation übernommen hat.
Gerade in kleinen Betrieben ist es deshalb wichtig, rechtzeitig Ersatz zu finden, Mitarbeitende einzuschulen und wertvolles Wissen weiterzugeben. Sonst bleibt das Unternehmen auch nach der offiziellen Übergabe von den bisherigen Inhaber abhängig.
Vater und Tochter: Wer entscheidet?
Wie sind die Aufgaben zwischen dir und deinem Vater heute verteilt?
Roithinger: Wir haben eigentlich keine genauen Aufgabenbereiche, bei denen jeder nur für etwas Bestimmtes zuständig ist. Wir entscheiden vieles gemeinsam, manches entscheidet jeder für sich. Wir sind ein kleiner Betrieb mit drei Mitarbeitern, und da muss einfach jeder überall mithelfen.
Nach der Übergabe wird sich vor allem verändern, dass ich dann alles alleine entscheide.
Dein Vater unterstützt dich auch nach der Pensionierung. Wie bleibst du eigenständig?
Roithinger: Ich entscheide jetzt schon vieles selbst. Mein Vater lässt mir sehr viel Freiraum und vertraut mir. Er möchte auch, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe und meine Erfahrungen mache.
Ich bin sehr froh, dass ich seine Erfahrung auch nach der Übergabe nutzen kann. Gerade bei einem Sägewerk gibt es vieles, das man nicht einfach aus einem Buch lernt. Gleichzeitig möchte ich aber auch meinen eigenen Weg gehen und die Verantwortung selbst tragen.
Was macht ihr, wenn ihr unterschiedliche Vorstellungen habt?
Roithinger: Wir haben keine großen unterschiedlichen Vorstellungen. Natürlich hat jeder seine eigenen Ideen, und manchmal sieht man Dinge auch ein bisschen anders. Aber meistens sind wir uns einig. Wir können offen miteinander reden und finden eigentlich immer eine gemeinsame Lösung.
Drei Fragen vor jeder Familiennachfolge
Welche drei Fragen sollten Unternehmerfamilien vor der Übergabe klären?
- Wer möchte den Betrieb wirklich übernehmen? Man sollte es aus Überzeugung und mit Leidenschaft machen wollen. Niemand sollte das Gefühl haben, übernehmen zu müssen, nur weil es der Familienbetrieb ist.
- Ist die Familie mit der Entscheidung einverstanden? Es sollte offen darüber gesprochen werden, ob alle hinter der Nachfolge stehen.
- Wie soll die Übergabe konkret ablaufen? Es sollte klar sein, wann und wie die Übergabe stattfindet und welche Rolle die bisherige Generation danach noch spielen möchte.
Unternehmerin werden: Was zählt?
Welche Fähigkeiten braucht die nächste Generation, die man durch tägliche Mitarbeit nicht automatisch erwirbt?
Roithinger: Gerade in einem kleinen Betrieb finde ich es wichtig, dass man jede Arbeitsstätte kennt und auch selbst mit anpacken kann. Die Mitarbeiter müssen merken, dass man weiß, wovon man spricht. Gleichzeitig muss man aber auch lernen, den Überblick über alles zu behalten, den Mitarbeitern zu vertrauen und in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Da muss man schauen, dass man nicht den Überblick verliert und trotzdem gute Entscheidungen trifft.
Du bist künftig Chefin in einer männerdominierten Branche und zugleich Mutter. Was ist herausfordernd?
Roithinger: Die Männerdomäne ist für mich nichts Neues. Es ist nicht immer leicht, und manchmal hat man das Gefühl, als Frau mehr leisten zu müssen, damit einem etwas zugetraut wird.
Es ist schon lustig, wenn Männer überrascht sind, dass ich mit roten Fingernägeln am Stapler oder an der Bandsäge sitze.
Die größere Herausforderung ist für mich, Mama zu sein und gleichzeitig unseren Familienbetrieb weiterzuführen. Meine Tochter soll nicht zu kurz kommen. Dass ich beides unter einen Hut bringen kann, verdanke ich vor allem meiner Familie. Ohne diesen Rückhalt hätte ich nicht den Mut, die Verantwortung für unseren Betrieb zu übernehmen.
Herzlichen Dank für das Gespräch!
Was du jetzt tun kannst
- Sprich offen mit allen Beteiligten: Wer will übernehmen, und was erwarten die anderen?
- Lege Rollen und Termine fest: Wer entscheidet bis zur Übergabe und danach?
- Prüfe die Praxis: Welche Aufgaben, Fachkenntnisse und Personalressourcen fehlen noch?
- Halte Vereinbarungen schriftlich fest und kläre rechtliche Fragen professionell.