Saudi-Arabien wirkt wirtschaftlich robuster als andere Golf-Staaten: Logistik bleibt teils intakt, Projekte laufen weiter und für österreichische Firmen bestehen Chancen.
Saudi-Arabien zeigt sich in der aktuellen Eskalation im Nahen Osten widerstandsfähiger als andere Staaten der Region. Häfen am Roten Meer bleiben aktiv, große Projekte laufen weiter und auch Messen wurden bisher nicht abgesagt. Für österreichische Unternehmen ergeben sich vor allem in Technologie, Wasser, Bergbau und erneuerbaren Energien weiter Marktchancen, analysiert Christoph Pfeifer, WKÖ Wirtschaftsdelegierter in Riyadh im MARI€-Interview.
Warum Saudi-Arabien derzeit robuster wirkt
Was hat sich seit Beginn der Eskalation wirtschaftlich am schnellsten verändert: Stimmung, Logistik, Finanzierung, Energiepreise oder Investitionsentscheidungen?
Christoph Pfeifer: Aufgrund der geografischen Lage ist Saudi-Arabien möglicherweise besser als andere Golf-Staaten positioniert. Mit der East-West Pipeline kann ein Teil der saudischen Öl-Exporte über Yanbu im Westen des Landes verschifft werden. Während viele Häfen im Osten der arabischen Halbinsel seit Beginn der Eskalation nicht oder nur eingeschränkt operativ sind, hat Saudi-Arabiens im Westen des Landes am Roten Meer mehrere aktive Häfen.
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Wovon die weitere wirtschaftliche Entwicklung abhängt
Ist die aktuelle Verunsicherung aus Ihrer Sicht eher ein kurzfristiger Schock oder zeichnet sich bereits ein struktureller Schaden ab?
Pfeifer: Das wird stark davon abhängen, wie lange die derzeitige Situation noch anhält. Saudi-Arabien hat in den letzten Jahren mit der Vision 2030 einen großen Transformationsprozess in der Gesellschaft sowie Diversifikation der Wirtschaft in Gang gesetzt. Derzeit ist man vor Ort bemüht zu signalisieren, dass alles unter Kontrolle sei und ein Bild weitestgehender Normalität zu zeichnen: Beispielsweise wird der neu eröffnete Entertainment-Park ADRENA (Surfen, Wakeboarding, Cliff Diving sowie Skateboarding) am Roten Meer weiterhin beworben. Messen oder Konferenzen wurden bisher nicht abgesagt (Stand 12.03., Anm.).
Wo österreichische Unternehmen jetzt Chancen haben
In welchen Bereichen sehen Sie trotz Krieg und Unsicherheit weiterhin Chancen für österreichische Unternehmen?
Pfeifer: Neben dem Sicherheitssektor sind Technologie-Themen (wie z.B. Drohnen oder KI), Wassermanagement (inkl. Entsalzung), Bergbau sowie erneuerbare Energien weiterhin Chancenfelder für österreichische Unternehmen.
Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute!
Das Wichtigste in Kürze:
- Saudi-Arabien ist durch seine geografische Lage derzeit besser aufgestellt als manche anderen Golf-Staaten.
- Die East-West-Pipeline und aktive Häfen am Roten Meer helfen dabei, Teile der Logistik weiter aufrechtzuerhalten.
- Ob aus der aktuellen Verunsicherung ein dauerhafter wirtschaftlicher Schaden wird, hängt vor allem von der Dauer der Krise ab.
- Der Transformationskurs rund um Vision 2030 läuft vorerst weiter, und auch Veranstaltungen wurden bislang nicht abgesagt.
- Für österreichische Unternehmen bleiben vor allem in Sicherheit, Technologie, Wassermanagement, Bergbau und erneuerbaren Energien interessante Chancen bestehen.
- Laufende Updates bündelt der Infopoint Nahost der WKÖ.


