Die Eskalation in Katar drückt auf Stimmung, Versorgung und Projektgeschäft. Für österreichische Unternehmen drohen Einbußen – Chancen bleiben dennoch bestehen.
Seit den jüngsten Angriffen ist die Stimmung in Katar deutlich gekippt. Versorgung, Logistik und Projektabwicklung stehen unter Druck, Umsatzeinbußen sind wahrscheinlich. Noch gilt die Lage als kurzfristiger Schock, doch bei anhaltendem Konflikt drohen strukturelle Schäden, sagt Andreas Stauber, WKÖ Wirtschaftsdelegierter in Doha im MARI€-Interview. Gleichzeitig bleiben Chancen in Gesundheit, Maschinenbau, Lebensmitteln und im Projektgeschäft bestehen.
Wie sich die iranischen Angriffe auf Katars Wirtschaft auswirken
Was hat sich seit Beginn der Eskalation wirtschaftlich am schnellsten verändert: Stimmung, Logistik, Finanzierung, Energiepreise oder Investitionsentscheidungen?
Andreas Stauber: Seit 28. Februar wird Katar täglich mehrmals durch Raketen und Drohnen angegriffen. Entsprechend schnell ist die Stimmung bei Unternehmen und in der Bevölkerung gekippt. Fragen der Versorgung - insbesondere mit essenziellen Gütern und bei Logistik-Fragen - stehen derzeit ebenfalls im Mittelpunkt.
INFOPOINT NAHOST
Infos & Kontakte, Daten & Fakten und Antworten auf die wichtigsten Unternehmensfragen – mit dem neuen Infopoint Nahost der Wirtschaftskammer Österreich bleibst du bei allen wirtschaftlich relevanten Themen rund um den Irankonflikt auf dem Laufenden.
ZUM INFOPOINT NAHOSTMehr auf marie.wko.at
Trotz Nahostkrise: Lage für Firmen in VAE derzeit "weitgehend stabil"
Projekte laufen weiter, Unternehmen prüfen aber Risiken genauer, sagt WKÖ Wirtschaftsdelegierter Brunner.
Saudi-Arabien: Chancen trotz Eskalation
Saudi-Arabien bleibt trotz Krise erreichbar – und relevant für Unternehmen.
Jordanien: Was der Nahost-Konflikt für Österreichs Firmen heißt
Auch in Jordanien zeigt sich: Logistik und Lieferketten geraten unter Druck.
Was die Krise für österreichische Unternehmen bedeutet
Welche unmittelbaren Folgen sehen Sie derzeit für die österreichischen Unternehmen vor Ort?
Stauber: Katar ist ein schwieriger, sehr kompetitiver Markt. Aufgrund der derzeitigen Konfliktsituation im Ramadan sind Geschäftsleben und Projektabwicklung derzeit stark eingeschränkt. Entsprechend sind Umsatzeinbußen wahrscheinlich.
Ist die aktuelle Verunsicherung aus Ihrer Sicht eher ein kurzfristiger Schock oder zeichnet sich bereits ein struktureller Schaden ab?
Stauber: Derzeit sprechen wir von einem kurzfristigen Schock, abhängig von der Dauer des Kriegs sind strukturelle Schäden wahrscheinlicher. Bereits im letzten Jahr haben wir im Juni 2025 (Angriff des Irans auf Doha Al Udeid) und September 2025 (Bombardierung eines Compounds in Doha durch Israels) Rückgänge in den österreichischen Anfragen gesehen.
Welche Branchen in Katar weiterhin Potenzial haben
In welchen Bereichen sehen Sie trotz Krieg und Unsicherheit weiterhin Chancen für österreichische Unternehmen?
Stauber: Derzeit stehen die Planungs-Unsicherheit sowie die Logistik-Probleme im Vordergrund, neue Kontaktanbahnung ist entsprechend schwierig. Generell sehen wir sehr gute Chancen im Bereich Gesundheit, auch wenn wir unsere geplante Wirtschaftsmission Gesundheit auf Ende des Jahres verschoben haben, sowie in den Bereichen Maschinen/Anlagen und Lebensmittel/Getränke und im Projektgeschäft.
Was Unternehmen in der aktuellen Lage beachten sollten
Welche Risiken sollten österreichische Unternehmen in Ihrem Markt jetzt besonders ernst nehmen?
Stauber: Österreich und österreichische Unternehmen haben in Katar eine sehr gute Reputation, idealerweise sollten die lokalen Partner jetzt kontaktiert werden, um sich nach dem Wohlbefinden zu erkundigen – vorerst nicht für „business talk“ da dies negativ interpretiert werden könnte.
Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute!
Das Wichtigste in Kürze:
- Die Angriffe seit Ende Februar haben die Stimmung in Katar deutlich verschlechtert und für große Unsicherheit in Wirtschaft und Bevölkerung gesorgt.
- Besonders betroffen sind Versorgung und Logistik, da Lieferketten gestört und betriebliche Abläufe erschwert werden.
- Auch österreichische Unternehmen spüren die Folgen bereits, weil laufende Geschäfte schwieriger planbar werden und Umsatzeinbußen drohen.
- Noch gilt die Entwicklung als kurzfristiger Schock, bei einer längeren Eskalation wären aber auch strukturelle wirtschaftliche Schäden zu erwarten.
- Trotz der angespannten Lage bleiben Marktchancen bestehen, etwa in den Bereichen Gesundheit, Maschinenbau, Lebensmittel und Projektgeschäft.
- Laufende Updates zur Lage bündelt der Infopoint Nahost der WKÖ.


