Jordanien: Was der Nahost-Konflikt für Österreichs Firmen heißt

Auch in Jordanien zeigt sich: Logistik und Lieferketten geraten unter Druck.


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AutorIn: Peter Draxler

Skyline der jordanischen Hauptstadt Amman i
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Der Blick aus Jordanien zeigt: Langfristige Folgen sind noch schwer abschätzbar. Spürbar sind aber schon jetzt höhere Frachtkosten, längere Lieferzeiten und eingeschränkte Transportwege. Ein Update von Herwig Neuper, dem WKÖ Wirtschaftsdelegierten in Amman.

Aus jordanischer Sicht zeigt sich die Eskalation im Nahen Osten derzeit vor allem in der Logistik. Energiepreise sind kurzfristig stabil, weil sie staatlich monatlich festgelegt werden, bei Investitionen ist die Lage noch offen. Für österreichische Unternehmen in Jordanien zählen vor allem längere Lieferzeiten, höhere Frachtkosten und eingeschränkte Transportwege zu den unmittelbaren Folgen. Das erklärt Herwig Neuper, WKÖ Wirtschaftsdelegierter in Amman, im MARI€-Interview.

Warum Logistik und Lieferketten in Jordanien unter Druck geraten 

Herr Neuper, was hat sich seit Beginn der Nahost-Eskalation wirtschaftlich in Jordanien am schnellsten verändert: Stimmung, Logistik, Finanzierung, Energiepreise oder Investitionsentscheidungen?

Herwig Neuper: In Jordanien werden die Preise für Energie zentral monatlich vom Staat für das darauffolgende Monat festgelegt. So wurden die Preise für März noch vor Ausbruch der Kampfhandlungen verkündet und haben sich seither nicht geändert. Die Auseinandersetzungen haben erst vor wenigen Tagen begonnen, damit ist es noch viel zu früh, um abschätzen zu können, ob dies Auswirkungen auf langfristige Investitionsentscheidungen haben wird. Für alle von uns betreuten Länder gibt es natürlich Bedenken, was die Aufrechterhaltung der Lieferketten über einen längeren Zeitraum betrifft, insbesondere, wenn der Konflikt noch etliche Wochen länger andauern sollte. Die weitere Entwicklung des Öls nach oben würde sich stark auf alle vier Länder auswirken.

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Welche unmittelbaren Folgen sehen Sie derzeit für die österreichischen Unternehmen vor Ort?

Neuper: Durch die Blockade der Straße von Hormus, dem bereits längeren Spannungen durch die Huthi Angriffe im roten Meer und den zurückgegangenen Frachtverkehr durch den Suez Kanal seit Ausbruch des Gaza Krieges, ist mit deutlich längeren Lieferzeiten und hohen Frachtkosten zu rechnen. Da derzeit kommerziell nur Royal Jordanian Airlines im jordanischen Luftraum unterwegs ist, gibt es auch derzeit keine Cargo-Luftfrachten mit z.B. DHL. Der irakische Luftraum ist seit 1.März komplett gesperrt, Libanon wird nur von Middle East Airlines (MEA)  angeflogen und in Syrien gibt es nur Flüge über Aleppo, aber nicht Damaskus.

Wo trotz Krise Chancen für österreichische Firmen in Jordanien bleiben 

In welchen Bereichen sehen Sie trotz Krieg und Unsicherheit weiterhin Chancen für österreichische Unternehmen?

Neuper: Langfristig sicherlich in den Bereichen der Infrastruktur wie Wasser, Bahn und generell im Verkehr, aber auch bei der kritischen Infrastruktur, IKT-Lösungen und Sicherheitslösungen – sowohl Cyber-Security als auch physische Lösungen.

 

Welche Risiken sollten österreichische Unternehmen in Ihrem Markt jetzt besonders ernst nehmen?

Neuper: Unbedingt die gestiegenen Frachtkosten und lange Lieferketten einkalkulieren. Außerdem sollten sie die Lage genau beobachten. Bei der Einschätzung der Entwicklung helfen die lokalen AußenwirtschaftsCenter.

Herzlichen Dank für das Gespräch und alles Gute!


Das Wichtigste in Kürze:

  • Aus Jordanien betrachtet trifft der Nahost-Konflikt Unternehmen derzeit zuerst bei Transport, Logistik und Lieferketten – weniger schon bei langfristigen Investitionsentscheidungen.
  • Die Energiepreise blieben kurzfristig stabil, weil sie in Jordanien staatlich monatlich festgelegt werden und für den laufenden Monat bereits vor der Eskalation beschlossen waren.
  • Deutlich längere Lieferzeiten und höhere Frachtkosten sind aus Sicht vor Ort aktuell die größten Belastungen für österreichische Unternehmen.
  • Zusätzlich verschärfen eingeschränkter Luftverkehr, Spannungen rund um Hormus, das Rote Meer und der schwächere Verkehr durch den Suezkanal die Lage weiter.
  • Trotz der Unsicherheit bleiben aus jordanischer Sicht mittel- bis langfristig Chancen in Infrastruktur, kritischer Infrastruktur, IKT sowie bei Cyber- und physischen Sicherheitslösungen bestehen.
  • Laufende Updates zur Lage bündelt der Infopoint Nahost der WKÖ.