Standortbestimmung: Was Frauen in der Wirtschaft bringen

Bilanz am Weltfrauentag: Über 150.000 Frauen führen ihr eigenes Unternehmen


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wissenshungrige
  • Wirtschaftseinsteiger:innen

Lesedauer:

4

Minuten

AutorIn: Rosa Schwalbe

Unternehmerinnen bei einer Besprechung i
nenetus | stock.adobe.com

Female Entrepreneurship ist ein wichtiger Motor für Österreichs Wirtschaft. Frauen gründen, übernehmen Betriebe und bringen sich mit innovativen Produkten und Führungsstil ein. Das ist Wertschöpfung auf allen Ebenen.

Es sind stets Zahlen, die gesellschaftliche Entwicklungen transparent machen. Über 150.000 Frauen in Österreich betreiben ihr eigenes Unternehmen. Laut WKO Mitgliederstatistik Stand 2026 sind das 154.195 Einzelunternehmerinnen, die ihre Geschäftsideen in der Selbständigkeit vorantreiben, ein Frauenanteil von 40,3%. Frauen gründen in vielen Branchen, vor allem in Gewerbe und Handwerk, aber auch in Tourismus und Handel. Laut WKO Gründerservice haben 2025 insgesamt 15.102 Frauen ein Unternehmen gegründet, das sind 45,7% aller Neugründungen. Nicht inkludiert sind hierbei die Personenbetreuerinnen. 

Lücken füllen, Zukunft denken

Diese Zahlen unterstreichen: Unternehmerinnen sind eine tragende Säule des Wirtschaftsstandorts. Die Statistik zeigt, wie konsequent Frauen unternehmerische Chancen nutzen und Österreichs Wirtschaft aktiv mitgestalten. "Weil es den Job, den ich machen wollte, nicht gab, habe ich ihn mir selbst geschaffen", bringt es Isabella Bogdanovic auf den Punkt. Die gelernte Bürokauffrau hat sich über 3 Jahre intensiv mit Künstlicher Intelligenz (KI) auseinandergesetzt und Alsabella gegründet. "Das ist sehr viel mehr als nur ChatGPT", sagt sie und meint Tools für viele Bereiche im Management, "von E-Mails über Datenamanagement bis zu Produktinnovation."

FRAU IN DER WIRTSCHAFT

Mehr Frauen in der Wirtschaft bewegen mehr für die Gesellschaft. Nicht nur zum Weltfrauentag macht Frau in der Wirtschaft sichtbar, wie stark Österreichs Unternehmerinnen Wirtschaft, Innovation und Zukunft prägen. Als größtes Netzwerk von und für Frauen zeigt FIW mit Zahlen, Fakten und Erfolgsgeschichten, wie Unternehmerinnen als Vorbilder und Mutmacherinnen wirken.

Zum Netzwerk "Frau in der Wirtschaft"
Isabella Bogdanovici
Whirlphoto

Weil es den Job, den ich machen wollte, nicht gab, habe ich ihn mir selbst geschaffen.

Isabella Bogdanovic, Gründerin von Alsabella

Mehr als Technik, das neue Smart

Als KI-Kompetenzberaterin will sie Unternehmen zukunftsfit machen. Das sei keineswegs nur technisch, sondern vor allem strategisch, sagt sie. Außerdem könne sie sich gut auf die Bedürfnisse anderer einstellen. Das sei "das neue Smart". Seit 2015 hat sich der weibliche Anteil in technischen Lehrberufsgruppen stark erhöht, im Einzellehrberuf ”Applikationsentwicklung und Coding” stieg er laut WKO Lehrlingsstatistik 2025 um mehr als das Dreifache: Von 7,4% auf 25,8%.

Neue Generation Frauen

Wenn es um gesellschaftlichen Wandel geht, hat sich die Rolle der Frauen in der Wirtschaft grundlegend gewandelt.  Erwerbstätigkeit und Unternehmertum sind heute selbstverständlicher Teil weiblicher Lebensentwürfe. In der Altersgruppe der 15- bis 64-Jährigen beträgt die Erwerbsquote in Österreich laut Eurostat 74,6%. Laut Statistik Austria waren 2,1 Millionen Frauen berufstätig. Ihre Arbeitsleistung für Österreichs Wirtschaft beträgt 281,9 Millionen Arbeitsstunden.

Linda Gabrieli
Büro Ludwina

Ich kann meine Zeit selbst einteilen, das könnte ich als persönliche Assistentin eines einzelnen Arbeitgebers nicht.

Linda Gabriel, Gründerin von GABsolutions

Neues Selbstbewusstsein, neue Karrieren

Doch gerade auch die steigende Anzahl von Unternehmensgründung und die Tatsache, dass der Frauenanteil vor allem in der Höheren Bildung steigt, zeigen, wie stark Frauen heute wirtschaftliche Verantwortung übernehmen.

Das verändert auch etablierte Berufsbilder, wie die Vorarlberger Unternehmerin Linda Gabriel, Gründerin von GABsolutions, beweist. Sie hat "persönliche Assistenz", ein tendenziell weibliches Berufsbild, zu einem Startup gemacht, "ich kannte die Idee aus England und habe sie nach Österreich gebracht."

Die eigene Chefin sein

Wie das geht? Sie übernimmt partielle Aufgabenbereiche, etwa Reiseplanungen, Nachverfolgung von Kontakten etwa nach Messebesuchen oder – im Tourismus – Buchungsmanagement. Der Unterschied zum traditionellen Beruf? "Ich kann meine Zeit selbst einteilen, das könnte ich als persönliche Assistentin eines einzelnen Arbeitgebers nicht." Das läuft gut, seit Kurzem hat sie eine Mitarbeiterin.

Zeit für Familie

Und macht es eigentlich einen Unterschied, ob sie die persönliche Assistenz von Männern oder Frauen übernimmt?  "Ja, wenn Unternehmerinnen Aufgaben an mich auslagern, dann meistens, um mehr Zeit für die Familie zu haben", erzählt sie. Erst kürzlich hatte sie eine Kundin, die ungestört Zeit für ihre Tochter am Spielplatz haben wollte.

Teaser für Anmeldung zum MARIE MAILi
WKÖ/DMC




Spannende Updates für dich!

Mit der MARI€ MAIL erhältst du unsere wichtigsten Infos direkt in deine Mailbox.

Jetzt zum Newsletter anmelden!

Frauen prägen zunehmend auch das Handwerk

Wie sehr sich das Frauenbild im beruflichen Umfeld wandelt, kann auch Petra Fladnitzer-Tatschl (52), Kunstschmiedin in fünfter Generation in Kärnten, bezeugen. Als sie den Betrieb mit heute fünf Mitarbeitenden übernahm, hätten viele Kunden immer wieder gefragt: "Dirndle, wo ist denn der Papa?"

Petra Fladnitzer-Tatschl i
Marktplatz Mittelkärnten/Jerusalem Elias

Petra Fladnitzer-Tatschl, Kunstschmiedin

Das ist längst vorbei. Kompetenz, Detailverliebtheit und Gewissenhaftigkeit nennt sie als ihre Markenzeichen und Freude am Beruf habe sie sich mit viel Fleiß erarbeitet. In dieser Hinsicht, sagt sie, sei Alter eine gute Sache, weil Erfahrung Sicherheit mit sich bringt. Fladnitzer-Tatschl freut sich auch, dass in ihrer Branche mittlerweile nicht nur Männer, sondern zunehmend auch Frauen ihre Auftraggeberinnen sind.

Mut zahlt sich aus

Ihre Erfahrung spiegelt aber etwas sehr Grundsätzliches: Wenn Frauen sich selbständig machen, steigt auch die Anzahl an Frauen  in Führungspositionen. Für die Zukunft bedeutet Next Generation Female Leadership mehr Investitionen, mehr Umsatz und mehr Arbeitsplätze. Das bringt eine neue Dynamik, die Österreich dringend braucht.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Unternehmerinnen sind 2026 in allen Segmenten der Wirtschaft aktiv und gestalten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 
  • Das verändert den Wirtschaftsstandort Österreich. Immer mehr Frauen gründen eigene Unternehmen, weil Selbstbestimmung und mehr Einkommen Motivation sind.
  • Female Entrepreneurship entfaltet sich vor allem in Innovationskraft, Wettbewerbsfähigkeit und regionaler Wertschöpfung. Das bringt neue Dynamik in Märkte.