Zähe Erholung: Was jetzt für den Standort zählt

WKÖ-Expertin Claudia Huber im MARI€-Interview.


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4

Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Stahlarbeiter beim Schweißen i
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2026 wird ein Jahr der kleinen Schritte: Die österreichische Wirtschaft wächst laut Prognosen nur rund 1%. Gleichzeitig setzen US-Zölle, Protektionismus und starke Konkurrenz – etwa aus China – einzelne Branchen unter Druck. Im MARI€-Interview erklärt WKÖ-Chefökonomin Claudia Huber, was der Wirtschaftsstandort Österreich jetzt braucht.

Die heimische Konjunktur dreht zwar wieder ins Plus, aber nur langsam. Gleichzeitig verschärfen Protektionismus und internationaler Wettbewerb den Druck – besonders für exportorientierte Betriebe. Wir haben mit Claudia Huber, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der WKÖ, über die Probleme und Herausforderungen, aber auch die Chancen für die heimischen Unternehmen gesprochen.

Wettbewerbsfähigkeit: Wo Österreich unter Druck steht

Frau Huber, die WKÖ hat unlängst ihre Interessenpolitischen Schwerpunkte 2026+ präsentiert. Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen für die Wettbewerbsfähigkeit österreichischer Unternehmen?

Claudia Huber: Die zweijährige Rezessionsphase ist zwar überwunden, doch für 2026 wird nur ein Wachstum von rund 1% prognostiziert. Neben den konjunkturellen stehen Österreichs Betriebe vor allem vor strukturellen Herausforderungen. Dazu zählen etwa der verstärkte Protektionismus, der Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit und ein generell sich verschärfender internationaler Wettbewerb. Insbesondere die starke Konkurrenz aus China, die technologisch in den letzten Jahren stark aufgerüstet haben, setzt einige Branchen stark unter Druck.

Am Beispiel der heimischen Industrie sehen wir, dass die letzten drei Jahre die Wertschöpfung um fast 9% zurückging, während sich die Industrie im EU27-Durchschnitt relativ stabil entwickelte.

INFOBOX: Interessenpolitische Schwerpunkte 2026+

Österreich befindet sich in einer langsamen Erholungsphase. Erste positive Signale sind erkennbar: Für 2026 wird ein Wachstum von rund 1% erwartet. Anders als in klassischen Erholungsphasen kommt der Impuls diesmal nicht vom Export, sondern vor allem vom privaten Konsum und von Investitionen.

Gleichzeitig stehen Unternehmen unter Druck: Eine Kombination aus konjunkturellen und strukturellen Herausforderungen erfordert gezielte Maßnahmen. Es braucht eine Palette an kurz- und längerfristigen, zielgerichteten Maßnahmen. In ihren Interessenpolitischen Schwerpunkten 2026+ definiert die WKÖ zentrale Forderungen in fünf wesentlichen Handlungsfeldern.

Zu den Interessenpolitischen Schwerpunkten 2026+

Kostenfaktor Arbeit: Lohnnebenkosten und Beschäftigung

 Welche Maßnahmen braucht es zur finanziellen Entlastung der heimischen Unternehmen

Huber: Um zu entlasten, braucht es aus Sicht der Wirtschaft eine spürbare Senkung der Lohnnebenkosten. Diese wichtige WKÖ-Forderung ist im Regierungsprogramm verankert und – unter Budgetvorbehalt – für 2027 geplant.

Auch bei der Bürokratie setzen wir uns für Entlastungen für unsere Betriebe ein. Hier hat die Bundesregierung ja bereits ein erstes Paket auf den Weg gebracht, das jetzt möglichst zügig umgesetzt werden muss. Insbesondere die Buchführungspflichten sind hier ein wichtiger Entlastungsschritt. Aber auch weitere Punkte, wie das Ermöglichen einer digitalen Gründung, sind uns ein wichtiges Anliegen.

Claudia Huber, Leiterin der Abteilung Wirtschaftspolitik in der WKÖi
WKÖ/Nadine Studeny

Trotz aller Herausforderungen dürfen wir nicht vergessen: Österreich ist ein Top-Standort mit vielen Stärken – Offenheit gegenüber Exportpartnern in aller Welt, Innovation und qualifizierte Arbeitskräfte. Auf diese Stärken gilt es aufzubauen.

Claudia Huber, WKÖ-Chefökonomin

Außenhandel: Neue EU-Abkommen und Exportchancen

Als kleine, offene Volkswirtschaft ist Österreich auf die Einbindung in europäische und internationale Wertschöpfungsketten und einen funktionierenden Außenhandel angewiesen. Hier kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Herausforderungen und Problemen. Wie soll Österreich auf diese reagieren?

Huber: Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier auf der europäischen Dimension. Die beste Strategie ist eine breite Diversifizierung über neue Handelsabkommen. Gerade kleine, offene Volkswirtschaften wie Österreich profitieren besonders stark von stabilen Handelsabkommen. Neben dem zügigen Inkrafttreten des EU–Mercosur-Abkommens sollten daher auch weitere Partnerschaften zeitnah ratifiziert werden.

Durch den Abschluss neuer Handelsabkommen – z.B. mit den sieben wichtigsten Handelspartnern der EU(Mercosur-Staaten - Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay -, Indien, Malaysia, Indonesien, Thailand, Australien sowie die Vereinigten Arabischen Emirate, Anm.) – könnte man die negativen Folgen der US-Zollpolitik nicht nur neutralisieren, sondern sogar überkompensieren.

Binnenmarkt nutzen: Dienstleistungen als Wachstumstreiber

Außerdem gilt es, die Potenziale des Binnenmarktes optimal auszuschöpfen, insbesondere im Dienstleistungsbereich. Rund 70 % der Exporte Österreichs gehen in den Binnenmarkt. Hier liegt viel Potenzial und gerade in dem aktuellen geopolitischen Umfeld ist dies ein wesentlicher Puffer und Hebel.

Es gibt auch Hebel, auf die wir auf nationaler Ebene in Gang setzen können, also die Stärkung und Unterstützung unserer Exportbetriebe, zum Beispiel durch die Verlängerung Internationalisierungsoffensive go-international.

Ein wichtiger Punkt für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen ist auch das Thema Investitionen. Investitionsentscheidungen sind allerdings besonders von der hohen Unsicherheit beeinflusst. Was braucht es hier aus Ihrer Sicht?

Huber: Investitionen entscheiden langfristig über die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe und des Standortes. In Summe investieren die heimischen Betriebe preisbereinigt viel weniger als etwa 2019. Die Rückmeldungen der Betriebe zeigen, dass der Schwerpunkt auf Ersatzinvestitionen liegt. Daher setzt sich die WKÖ für gezielte Investitionsanreize ein, in erster Linie eine dauerhafte Ausweitung des Investitionsfreibetrages. Außerdem soll der derzeit bestehende Deckel von 1 Mio. Euro aufgehoben werden.

Ein weiterer wirkungsvoller Hebel für Investitionen liegt bei erleichterten Möglichkeiten der Abschreibungen. Deswegen fordern wir die Einführung einer Superabschreibung als steuerliche Maßnahme, die es Unternehmen erlaubt, mehr als die tatsächlichen Kosten eines Wirtschaftsguts abzuschreiben.

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WKÖ/DMC



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Twin Transition: Digitalisierung und Klimainvestitionen als Chance

 Wir haben jetzt lange über Probleme und Herausforderungen für die heimischen Unternehmen gesprochen. Zum Abschluss: Wo sehen Sie die größten Chancen für den Wirtschaftsstandort?

Huber: Wir befinden uns in Zeiten des Wandels. Die Twin Transition ist herausfordernd, aber gleichzeitig auch chancenreich für unsere Betriebe. Wir als Interessenvertretung sehen unsere Aufgabe darin, uns für die bestmöglichen Rahmenbedingungen für sie einzusetzen. Und dadurch den Unternehmen die Wege zu diesen Chancen zu ebnen, beispielsweise bei der Digitalisierung durch gezielte Unterstützung wie das erfolgreich neu aufgelegte Programm KMU.Digital. Auch der FTI-Pakt 2027–2029 ist ein wichtiger Schritt, um Planungssicherheit für den Forschungs- und Innovationsstandort Österreich zu schaffen.

Trotz aller Herausforderungen dürfen wir nicht vergessen: Österreich ist ein Top-Standort mit vielen Stärken – Offenheit gegenüber Exportpartnern in aller Welt, Innovation und qualifizierte Arbeitskräfte. Auf diese Stärken gilt es aufzubauen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Wichtigste in Kürze:

  • Österreichs Wirtschaft startet 2026 mit schwachem Rückenwind – Prognosen liegen bei rund 1% Wachstum.
  • Der internationale Wettbewerb wird härter, mit spürbarem Druck durch technologisch starke Anbieter, etwa aus China.
  • Um internationale Chancen besser zu nutzen, braucht es eine proaktive Handelspolitik & Anstrengungen, um die Potenziale des Binnenmarktes besser auszuschöpfen.
  • In ihren Interessenpolitischen Schwerpunkten 2026+ definiert die WKÖ zentrale Forderungen in fünf wesentlichen Handlungsfeldern.