Was Automatisierung für KMU tatsächlich bringt

Automatisierung zwischen Fachkräfte­mangel, Effizienzdruck und Hype.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Digital Pioneers
  • Kleinunternehmer:innen

Lesedauer:

4

Minuten

AutorIn: David Sievers

Schematische Darstellung einer Lieferkette, ki-generiert i
mimi | stock.adobe.com

Automatisierung ist längst vom Zukunftsthema zur gelebten Praxis gereift. Entscheidend bei der Umsetzung ist nicht, ob Unternehmen automatisieren, sondern wie klug sie es tun, sagt Zukunftsforscher Dominik Bösl.

Automatisierung, KI und Robotik – diese Schlagworte begleiten Unternehmen auch in Österreich auf Schritt und Tritt. Für viele kleine und mittlere Betriebe fühlt sich das wie ein Dauerauftrag an: Wer nicht investiert, verliert. Wer zögert, fällt zurück.

Doch genau hier liegt die Crux. "Technologie darf nicht zum Selbstzweck werden, sondern muss echte Probleme lösen", sagt der Technologieexperte und erklärte Tech-Optimist Dominik Bösl, der am heurigen EDAY der Wirtschaftskammer Österreich die Keynote halten wird.

Aus Angst, den Anschluss zu verpassen, würden KMU häufig in Lösungen investieren, die teuer sind und wenig konkreten Mehrwert bringen. Dabei sollte Automatisierung nicht als Imageprojekt, sondern ein Werkzeug verstanden werden.

Wo KMU sinnvoll mit Automatisierung starten können

Automatisierungs-Großprojekte mit Millionenbudgets sind für viele Betriebe weder realistisch noch notwendig. Vielmehr liegen die größten Hebel oft im Kleinen.

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Man muss Automatisierung mit Hirn und Verstand umsetzen, mit Maß und Ziel.

Dominic Bösl, Professor für Digitale Wissenschaften, Automatisierung und Leadership
Typische "Quick Wins" sind laut Bösl:
  • Automatisierte Qualitätskontrolle
  • Be- und Entladen von Maschinen
  • Monotone Handling-Tätigkeiten
  • Einfache robotergestützte Assistenzsysteme

In vielen Produktionsbetrieben steht noch immer ein Mensch an einer Maschine und legt Teile ein und aus – stundenlang, im Akkord. Automatisierung ermöglicht hier nicht nur einen 24/7-Betrieb, sondern entlastet Mitarbeitende körperlich und psychisch.

"Man muss Automatisierung mit Hirn und Verstand umsetzen, mit Maß und Ziel", betont Bösl. Für KMUs in Österreich heißt das: Erst das Problem definieren, dann die passende Lösung suchen. Nicht umgekehrt.

Dabei lohnt sich ein Blick auf die Entwicklungslogik der Robotik selbst. 

Bösl beschreibt vier Evolutionsstufen: Zuerst stand die reine Effizienz im Vordergrund, danach Sicherheit und Flexibilität, später Mobilität – und erst in der jüngsten Phase rücken Wahrnehmung und Intelligenz in den Fokus. 

Viele KMU bewegen sich heute noch in den ersten beiden Stufen. Mit Blick auf die gesellschaftliche Akzeptanz ist das aber nicht unbedingt ein Nachteil.

Automatisierung ohne Hype: Dominik Bösl live beim EDAY 2026 erleben

Was bringen Automatisierung & KI wirklich, und wo stoßen Sie an ihre Grenzen? Dominik Bösl zeigt beim EDAY 2026 am 7. Mai in der WKÖ, wie Unternehmen Automatisierung strategisch, realistisch und wirtschaftlich sinnvoll einsetzen.

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Demografischer Wandel als Automatisierungstreiber

Die Debatte um Automatisierung wird oft emotional geführt, vor allem mit Blick auf Arbeitsplätze. Laut Studien hat Technologie historisch mehr Jobs geschaffen als zerstört, sagt Bösl. Tätigkeiten verändern sich, verschwinden aber nicht einfach.

Viel gravierender ist ein anderer Faktor: der globale Arbeitskräftemangel.

„Wir müssen automatisieren, wenn wir unseren Wohlstand bewahren wollen“, sagt Bösl. In vielen Branchen fehlen schon heute qualifizierte Fachkräfte, und der demografische Wandel wird diesen Trend verschärfen.

Automatisierung wird damit weniger zur Option und mehr zur Notwendigkeit. Ohne automatisierte Prozesse wird es in manchen Bereichen schlicht nicht mehr möglich sein, Produktivität und Qualität aufrechtzuerhalten. 

Automatisierung ist daher nicht nur Effizienzmaßnahme, sondern Teil der Standort- und Wohlstandssicherung.

Automatisierung in Industrie, Handel und Tourismus

Produktion: technisch weit, aber vorsichtig

In Industrie und Fertigung ist Automatisierung seit Jahrzehnten Standard. Robotertechnik gibt es hier bereits seit den 1970er-Jahren. Hohe Zuverlässigkeit ist hier das oberste Gebot,  und 99,999 Prozent Verfügbarkeit sind keine Seltenheit.

Neue, adaptive Lösungen werden deshalb oft zurückhaltend getestet – Stabilität geht verständlicherweise vor Experiment.

Handel: hoher Schmerz und technischer Nachholbedarf

Im Handel ist der Wunsch nach Automatisierung groß. Studien zufolge gehen jährlich beträchtliche Umsätze verloren, weil Waren nicht schnell genug vom Lager ins Regal gelangen. Diese logistischen Engpässe kosten bares Geld.

Technisch ist vieles noch nicht ausgereift oder wirtschaftlich schwer darstellbar. Der Bedarf ist jedoch klar vorhanden.

Tourismus: Entlastung statt Entmenschlichung

Auch im Tourismus eröffnen sich dank Automatisierung konkrete Anwendungsfelder, etwa in der Auslastungsplanung, im Reservierungsmanagement oder bei logistischen Tätigkeiten im Hintergrund.

Bösl führt als Beispiel ein familiengeführtes Hotel im ländlichen Raum an, welches auf Serviceroboter setzt, um personelle Lücken zu schließen. Ohne diese Lösung hätte das Restaurant schließen müssen.

Doch Automatisierung im Dienstleistungsbereich braucht Fingerspitzengefühl. "Wenn Technologie Menschen mehr Zeit für Menschen lässt, dann gehen wir in die richtige Richtung", so Bösl. Wird sie hingegen eingesetzt, um den persönlichen Kontakt zu ersetzen, leidet die Kundenerfahrung.

Die Zukunft liegt für Bösl daher nicht im humanoiden Alleskönner, sondern in vielen unscheinbaren, spezialisierten Verbesserungen im Hintergrund. In Küchen, Lagerräumen, Wäschereien oder bei der Einsatzplanung.

Die 3D-Regel: Dull, Dirty, Dangerous

Ein bewährter Ansatz für Automatisierungspotenziale aus der Robotikforschung ist das 3D-Prinzip:

  • Dull – monotone Tätigkeiten
  • Dirty – schmutzige Arbeiten
  • Dangerous – gefährliche Aufgaben

Dominik Bösl führt aus: "Alles, was Menschen dauerhaft körperlich oder psychisch belastet, sollte automatisiert werden. Nicht nur aus Effizienzgründen, sondern aus Verantwortung gegenüber Mitarbeitenden."

Kultur entscheidet über Erfolg von Automatisierung

Technologie allein garantiert noch keinen Fortschritt. Entscheidend ist die Unternehmenskultur.

"Culture eats everything for breakfast", erklärt Bösl. Wird Automatisierung als Bedrohung kommuniziert, entsteht Widerstand. Wird der konkrete Mehrwert sichtbar, steigt hingegen die Akzeptanz.

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WKÖ/DMC




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Mitarbeitende müssen verstehen, was sich verbessert: weniger monotone Arbeit, mehr Planungssicherheit, höhere Qualität. Transparenz und Einbindung sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren.

Automatisierung ist daher weniger ein IT-Projekt als ein Transformationsprozess in organisatorischer, kultureller und strategischer Hinsicht.

Automatisierungs-Orientierung für KMU

Gerade kleine Betriebe stehen vor der Herausforderung, aus der Vielzahl an Anbietern und Lösungen die passenden auszuwählen.

Hier können Kammern und Verbände unterstützen – mit Netzwerken, Checklisten, praxisnaher Beratung und verlässlichen Partnern. "Da brauchen sie verlässliche Partner, und genau das können Kammern leisten", sagt Bösl.

Automatisierung ist kein Allheilmittel. Aber sie ist ein strategischer Hebel, wenn sie strukturiert und wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt wird.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Automatisierung sollte konkrete Probleme lösen, nicht Trends hinterherlaufen.
  • Quick Wins liegen häufig in monotonen, belastenden oder sicherheitskritischen Tätigkeiten (3D-Prinzip).
  • Der demografische Wandel macht Automatisierung für viele Branchen zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.
  • Erfolg hängt nicht nur von Technologie ab, sondern von Kultur, Integration und kluger Umsetzung.
  • Noch mehr Informationen zu den Themen Robotik und Automatisierung kannst du dir am 7. Mai 2026 beim EDAY in der WKÖ holen.