Investment-Experte rät: "Nur keine Panik"

Fallende Kurse, steigende Inflation - warum Investoren gerade jetzt ihre Nerven bewahren sollten.


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Lesedauer:

2 Minuten

AutorIn: Connie Wagenhofer

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Wegen fallender Aktienkurse und steigender Inflation steigt unter Anleger:innen die Angst um ihr Vermögen. Ohne Grund? Wir haben mit dem Vermögensberater Hannes Dolzer geredet.

Der Ukraine-Krieg hat sich an den Börsen sofort durch fallende Kurse gezeigt. Die Teuerung frisst Sparguthaben. Lieferengpässe, höhere Rohstoffkosten und Energiepreise bringen auch börsennotierte Unternehmen unter Druck und senken deren Gewinnerwartung. Was passiert in Zeiten wie diesen mit den Vermögenswerten kleiner Anleger:innen auf dem Sparbuch und im Wertpapier-Depot? Werden die schmelzen wie Schnee in der Sonne? Das haben wir den Vermögensberater Hannes Dolzer gefragt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Panikverkäufe von Aktien lohnen nicht, die Kurse dürften recht bald wieder steigen

  • In Krisenzeiten besser kleinere Beträge investieren, die dafür öfter

  • Mit Fonds-Ansparplänen lässt sich das Anlagerisiko gut streuen

  • Gold ist eine gute Krisenwährung, dabei lassen sich Münzen leichter wieder verwerten als Barren

  • Zwei bis drei Brutto-Monatsgehälter sind als Notgroschen sinnvoll, höhere Beträge sollten aufgrund der Inflation angelegt werden

"Keine Panik", sagt Experte Dolzer. Wenn die Inflation nur kurzfristig so hoch sei, dann habe das zum einen auf Sparguthaben langfristig wenig Auswirkungen. Und beim Investieren an der Börse zum anderen könne es auch sein Gutes haben, wenn die Kurse fallen. So kann man Wertpapiere zu niedrigeren Kursen (nach)kaufen.

Nach Kriegsausbruch meist bald Kurserholung

"Die Leute sollen jetzt nicht in Panik geraten und ihre Wertpapiere verkaufen", rät Dolzer. Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges seien die Kurse zwar deutlich gefallen, es habe aber bereits eine zumindest vorübergehende Erholung gegeben. 

Gold hat den Ruf als Krisenwährung, Gold steigt, wenn die Börsen fallen.

Hannes Dolzer, Vermögensberater

"Ich habe mir die Entwicklung der Börsen nach den letzten Kriegen angesehen", sagt Dolzer, "es gab immer einen Einbruch bei Kriegsbeginn durch den Faktor der Unsicherheit, ging aber dann recht schnell wieder nach oben."

In Krisenzeiten öfter, aber weniger anlegen

Gerade in Krisenzeiten kaufe man Wertpapiere besser öfter, aber dafür mit kleineren Beträgen, wie das etwa bei einem Sparplan vorgesehen ist. "Dann profitiert man von den Kursschwankungen", sagt Dolzer, "man weiß zwar nicht, wie lange die Kurse fallen, aber wenn man ratierlich kauft, gleicht man das Risiko auf Dauer aus." Die Rechnung ist einfach: Einmal zahlt man einen etwas höheren Kurs für ein Wertpapier, das nächste Mal macht das ein niedrigerer Kurs im Schnitt wieder wett.

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Fonds-Ansparpläne streuen das Risiko doppelt

"Ansparpläne sind eine gute Idee", sagt Dolzer, "weil man das Ratierliche drin hat. Bei Fonds hat man den riesengroßen Vorteil, dass man auch schon eine Streuung drin hat." Bei einem Fonds investiert man in ein Bündel an Wertpapieren und nicht in eine Einzelaktie, die extrem schnell an Wert verlieren kann. 

Gold steigt, wenn die Börsen fallen

Wenn sich alles unsicher anfühlt, kaufen viele Menschen gern Gold, einen Wert zum Anfassen. "Gold hat den Ruf als Krisenwährung", sagt Dolzer, "Gold steigt, wenn die Börsen fallen. Ich kenne immer noch Leute, die in einer solchen Krise Gold bis zum Abwinken kaufen." 

Allein schon wegen einer breiten Streuung der Vermögenswerte könne es sinnvoll sein, 5 bis 10 Prozent in Gold anzulegen. "Es ist aber geschickt, wenn man’s kauft, wenn der Goldpreis niedrig ist", sagt Dolzer. Zwar solle man Gold physisch – und nicht als Wertpapier – kaufen. "Aber keinen Barren", sagt Dolzer, "weil es gerade in einer Krise schwer ist, aus dem wieder etwas Verwertbares zu machen." Besser seien Goldmünzen.

Notgroschen ja, aber bitte nicht unter der Matratze

Ob Goldmünzen oder Barren, ob Scheine oder Kupfermünzen, eins ist klar: Am unsichersten liegt das Geld daheim. "Es bringt nicht nur keine Zinsen", sagt Dolzer, "sondern ist im Fall eines Einbruchs verloren."

Einen Notgroschen von zwei bis drei Bruttomonatsgehältern sollte man schon auf der hohen Kante haben. Alles, was darüber hinaus geht, veranlagt man besser, weil es sonst von der Inflation mehr oder weniger schnell gefressen. "Auch in den vergangenen Jahren war die Inflation immer höher als die Zinsen auf Sparguthaben", sagt Dolzer, "daher sollte man auf Veranlagungsformen zurückgreifen, die einen Ertrag erwarten lassen, der über der Inflationsrate liegt."