Merit Order: So wird der Strompreis in Europa festgesetzt

Viel ist im Moment vom Merit-Order-System die Rede. Wir erklären dir, was es ist und wie es funktioniert. 


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wissenshungrige
  • Wirtschaftsexpert:innen

Lesedauer:

2 Minuten

AutorIn: Peter Draxler

Stromleitungen i
AdobeStock

Die Energiekosten steigen, die Stimmen mehren sich, das Merit-Order-System auszusetzen. Wir beantworten für dich alle wichtigen Fragen und sagen dir, was du wissen musst. 

Das Merit-Order-System aussetzen, diese Forderung kursiert schon seit mehreren Monaten. Angesichts des ungebremsten Anstiegs der Strompreise wird nun der Druck auf die europäische Politik immer größer. Wir haben uns angeschaut, warum.

Was hat das Merit-Order-System mit dem Strompreis zu tun?

Der Strompreis wird auf den Großhandelsmärkten gebildet, in Österreich ist das die Strombörse Energy Exchange Austria. Die Festlegung des Strompreises erfolgt durch das sogenannte Merit-Order-System.

Wie funktioniert das Merit-Order-System?

Für die Festlegung des Strompreises orientiert sich das Merit-Order-System am letzten und somit teuersten Kraftwerk, dessen Angebot bei einer Auktion angenommen wird. Beim Strompreis wird dieser Wert am Tag vor der jeweiligen Lieferung auf speziell dafür autorisierten Börsen ermittelt. Dabei kann jede:r autorisierte Marktteilnehmer:in sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite angeben, wie viel Strom er oder sie zu welchem Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen bereit ist. Der Wert, bei dem sich Angebot und Nachfrage decken - der sogenannte Einheitspreis - gilt als Ergebnis der Auktion für alle Anbieter:innen, auch für jene, die grundsätzlich bereit waren, billiger zu verkaufen.

Nach diesem Prinzip wird der Strom jener Kraftwerke, welche den preisgünstigsten Strom produzieren, als erstes ins Netz gespeist, gefolgt vom Strom jener Kraftwerke mit den jeweils nächsthöheren Grenzkosten. Das letzte zugeschaltete Kraftwerk, das für die Deckung des Strombedarfs nötig ist, ist demnach das teuerste.

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Wo sind die Vorteile von Merit Order?

Die Merit Order sorgt dafür, dass zuerst immer die billigsten Stromproduzenten zum Zug kommen. Daher bemühen sich alle Betreiber:innen, über möglichst günstige und effiziente Kraftwerke zu verfügen. Hier sind kostengünstige erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Wind- oder Wasserkraft im Vorteil, denn je günstiger der Strom produziert werden kann, desto höher der Gewinn des jeweiligen Kraftwerkes. Das macht die Stromerzeugung mit erneuerbarer Energie attraktiver. In der Vergangenheit hat das Verfahren auch zu günstigen Strompreisen für die Konsument:innen geführt. 

Warum ist die Merit Order an ihre Grenzen gestoßen?

Aktuell kann der benötigte Strombedarf nicht ohne den Einsatz von Gas gedeckt werden. Durch den Ukraine-Krieg befinden sich die Gaspreise allerdings auf einem Rekordhoch.  Da sich der gesamte Strompreis im Merit-Order-System an den Grenzkosten des teuersten Kraftwerks orientiert, kann bereits die Zuschaltung eines einzigen Gaskraftwerks den Strompreis für alle in die Höhe schnellen lassen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Strompreis wird auf den Großhandelsmärkten gebildet - für Österreich ist das die Energy Exchange Austria.
  • Beim Merit-Order-System werden Kraftwerke der Reihe nach zugeschaltet, bis der entsprechende Strombedarf gedeckt ist (ausgehend vom günstigsten).
  • Je günstiger Strom produziert werden kann, desto höher der Gewinn des jeweiligen Kraftwerkes.
  • In der Vergangenheit hat das Verfahren zu günstigen Strompreisen für die Konsument:innen geführt.
  • Die aktuell hohen Preise entstehen dadurch, dass der momentane Strombedarf nicht ohne den Einsatz von teurem Gas gedeckt werden.