3,4 Milliarden Euro fließen im Rahmen der olympischen Winterspiele Milano-Cortina 2026 in Bahn, Straße, Digitales und Sportstätten. Für österreichische Unternehmen öffnen sich Chancen in Infrastruktur, Green Tech, Sicherheit und alpiner Technik.
Die Olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 sind weniger Prestige als Investitionsprogramm: Rund 3,4 Mrd. Euro fließen in Bahn, Straße, digitale Infrastruktur und Sportstätten mit Nachnutzung – verteilt über drei Regionen. Für Unternehmer:innen aus Österreich liegen Chancen vor allem in Bau, Green Solutions, Sicherheit und alpiner Technologie.
Entscheidend ist, früh bei Ausschreibungen und Partnerschaften dabei zu sein, sagt Christoph Plank, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Mailand, im MARI€-Interview.
Herr Plank, gibt es in Italien aktuell Rückenwind oder Gegenwind für so ein Großprojekt – politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich?
Christoph Plank: In Summe würde ich von verhaltenem Rückenwind sprechen. Politisch werden die Spiele breit getragen – quer durch Parteien und Regionen –, weil sie als Hebel für Infrastrukturmodernisierung gesehen werden. Wirtschaftlich kommen sie in einer Phase, in der Italien stark von EU-Aufbaugeldern profitiert und Investitionen ohnehin hochgefahren wurden. Gesellschaftlich ist die Stimmung differenzierter: es gibt Kritik an Kosten und Umweltfolgen, aber deutlich weniger als etwa bei früheren Olympischen Spielen (Anm.: Italien ist zum 4. Mal Gastgeber der Olympischen Spiele, welche bereits im Sommer 1960 in Rom, im Winter 1956 in Cortina und im Winter 2006 in Turin ausgetragen wurden). Für viele sind die Spiele allerdings nicht mehr als eine Schlagzeile in der Sportzeitung "Gazzetta dello Sport"; für den Großteil der italienischen Bevölkerung stehen andere Themen im Vordergrund. Entscheidend ist jedenfalls, dass die Spiele nicht als isoliertes Prestigeprojekt wahrgenommen, sondern als Beschleuniger ohnehin notwendiger Investitionen.
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Milano Cortina 2026: Warum die Spiele vor allem ein Infrastrukturprojekt sind
Was ist Milano Cortina 2026 aus wirtschaftlicher Sicht: Infrastruktur-, Tourismus- oder Imageprojekt?
Plank: Aus wirtschaftlicher Sicht ist es primär ein Infrastrukturprojekt mit touristischer und imagepolitischer Dividende. Ein Großteil der 3,4 Mrd. Euro fließt in Verkehr, Bahn, Straßen, digitale Infrastruktur und Sportstätten mit Nachnutzung. Die Infrastrukturmaßnahmen sind breit über drei Regionen verteilt (Lombardei, Veneto, Trentino-Südtirol). Der Tourismus profitiert stark, aber eher mittel- bis langfristig. Das Image – Italien als verlässlicher, moderner Veranstalter – ist wichtig, aber kein Selbstzweck. Der größte ökonomische Hebel liegt klar darin, regionale Wertschöpfungsketten leistungsfähiger zu machen.
Wie verteilt sich die Wertschöpfung: lokal oder international?
Plank: Die Wertschöpfung ist gemischt verteilt. Bau, Planung, Logistik und Betrieb bleiben überwiegend regional bzw. national. Gleichzeitig sind internationale Player bei Spezialtechnologien, Sicherheit, IT, Energie, Seilbahntechnik oder Eventservices stark vertreten. Genau hier eröffnen sich Chancen für österreichische Unternehmen: als spezialisierte Zulieferer, Systempartner oder Technologieanbieter, oft eingebettet in italienische Konsortien.
iWir nutzen die Spiele als Türöffner und Beschleuniger: durch gezielte Marktinformation, Vernetzung mit italienischen Auftraggebern, Unterstützung bei Ausschreibungen und Sichtbarkeit österreichischer Kompetenz – etwa in Infrastruktur, alpiner Technologie, Green Solutions und Sicherheit.
Wie stabil ist die Wirtschaft – und was bedeutet das für Österreichs Export?
Wie ist Italiens Wirtschaft 2026 aufgestellt – und was bedeutet das für Österreichs Exportwirtschaft?
Plank: Italien steht 2026 trotz struktureller Herausforderungen vergleichsweise solide da: Industrie, Maschinenbau, Bauwirtschaft und Tourismus sind robust, Investitionen hoch. Unser südlicher Nachbar ist mit einem Exportplus von 6,7 % (1-10/2025) unser zweitwichtigster Handelspartner. Die Spiele verstärken bestehende Trends: Nachfrage nach hochwertigen Investitionsgütern, nachhaltigen Lösungen und alpiner Kompetenz. Österreichische Betriebe profitieren zwar kurzfristig auch als "Olympia-Lieferanten", aber vor allem langfristig.
Welche Branchen erleben den größten Nachfrage-Peak – und wie lange?
Plank: Drei Branchen stechen hervor:
- Bau, Infrastruktur & Ingenieurwesen: Peak bis kurz vor den Spielen, Nachlauf durch Wartung und Folgeprojekte.
- Tourismus, Hospitality & Mobilität: starker Peak rund um 2026, aber nachhaltiger Effekt über mehrere Jahre.
- Energie-, Umwelt- und Sicherheitstechnologien: Nachfrage beginnt früh und hält über die Spiele hinaus an, insbesondere durch neue Standards und Regulierung.
Nachhaltigkeit und Legacy: Warum Kriterien Pflicht sind
Nachhaltigkeit und Legacy – wie sieht das in der Praxis aus und wer kontrolliert?
Plank: Milano Cortina 2026 setzt stark auf Bestandsnutzung, temporäre Bauten und regionale Einbindung. Nachhaltigkeit ist kein Marketingthema, sondern vertraglich verankert – etwa bei Energieeffizienz, Mobilität und Nachnutzung. Kontrolliert wird das durch nationale Prüfstellen, den Rechnungshof, EU-Vorgaben sowie das IOC. Für Unternehmen heißt das: Nachhaltigkeitskriterien sind Markteintrittsvoraussetzung, nicht Zusatzargument.
So unterstützt das AußenwirtschaftsCenter Mailand
Wie nutzt das AußenwirtschaftsCenter Mailand die Spiele für österreichische Firmen?
Plank: Wir nutzen die Spiele als Türöffner und Beschleuniger: durch gezielte Marktinformation, Vernetzung mit italienischen Auftraggebern, Unterstützung bei Ausschreibungen und Sichtbarkeit österreichischer Kompetenz – etwa in Infrastruktur, alpiner Technologie, Green Solutions und Sicherheit. Wichtig ist uns dabei nicht das Event selbst, sondern der Marktzugang davor und danach. Seit fünf Jahren bieten wir - unter dem Motto Road to Olympia - ein entsprechendes Wirtschaftsprogramm für österreichische Unternehmen und Zulieferbetriebe an.
Ihr letzter Satz an Österreichs Unternehmen:
Plank: Wenn ihr aus Milano Cortina nur eine Sache mitnehmt, dann, dass …. Großevents wie die olympischen Winterspiele ein gutes Training sind, aber das eigentliche Rennen durch langfristige Partnerschaften entschieden wird. Und genau darin liegt unsere Stärke. "Dabei sein" ist gut, dranbleiben "ist alles".
Mehr Infos zu Italiens Wirtschaft
Die wichtigsten Informationen zur italienischen Wirtschaft – zuverlässig und aus erster Hand – liefert dir das LÄNDERPROFIL ITALIEN der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die olympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 sind neben den sportlichen Events vor allem ein Infrastrukturprogramm: 3,4 Milliarden Euro fließen in Bahn, Straßen, Digitales und Sportstätten mit Nachnutzung.
- Italien ist Österreichs zweitwichtigster Handelspartner (Exporte 1–10/2025: +6,7%); zusätzliche Investitionen treffen vor allem Lombardei, Veneto und Trentino-Südtirol.
- Bau, Planung, Logistik und Betrieb bleiben meist regional; bei IT, Energie, Sicherheit und Seilbahntechnik zählen Spezialist:innen – hier können österreichische Betriebe liefern.
- Nachfrage-Peaks: Bau/Infrastruktur bis kurz vor 2026, Tourismus & Mobilität rund um 2026, Energie-/Umwelt-/Sicherheitslösungen schon früh und über die Spiele hinaus.
- Nachhaltigkeit ist Pflicht: Kriterien sind vertraglich fixiert und werden von nationalen Stellen, EU-Regeln und dem IOC geprüft.
