Einen Betrieb zu übernehmen heißt, Verantwortung für Mitarbeitende und Kund:innen zu tragen. Soviele Österreicher:innen wie noch nie in den vergangenen 15 Jahren haben sich 2025 dafür entschieden. Wir zeigen die Zahlen hinter der Nachfolgewelle – und wie die Politik dabei unterstützen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Betriebsnachfolge: Noch nie seit Beginn der Erhebung wurden so viele Betriebe übernommen wie im Vorjahr.
- Das Potential bleibt: Bis 2034 stehen rund 52.500 Unternehmen (exklusive Ein-Personen-Unternehmen) vor der Übergabe. Daran hängen rund 705.000 Arbeitsplätze.
- Gastronomie, Gewerbe & Handwerk sowie Handel sind die übernahmestärksten Bereiche.
- Als gezielte Maßnahme braucht es eine steuerliche Entlastung von Übergaben, unter anderem durch einen höheren Freibetrag für Veräußerungsgewinne und einen neuen Beteiligungsfreibetrag.
Warum die Zahlen 2025 ein gutes Zeichen sind
Immer mehr Menschen in Österreich entscheiden sich für den Schritt in die Selbstständigkeit über eine Betriebsübernahme. Mit 8.202 Unternehmensübernahmen wurde 2025 der höchste Wert seit Beginn der Erhebung erreicht, das ist ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 2021 wurden damit bereits mehr als 37.000 Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation geführt.
Das ist eine gute Nachricht, denn Österreichs Wirtschaft steht vor einer weiteren, größeren Nachfolgewelle: Bis 2034 stehen rund 52.500 Unternehmen – exklusive Ein-Personen-Unternehmen – zur Übergabe an. Das entspricht etwa 23 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe. Mit ihnen sind rund 705.000 Arbeitsplätze verbunden.
Besonders gefordert sind dabei Familienunternehmen: Etwa 55 Prozent aller Übernahmen finden innerhalb der Familie statt – mit sinkender Tendenz. Externe Nachfolgen gewinnen daher zunehmend an Bedeutung und werden für den Wirtschaftsstandort immer wichtiger.
3 von 10 Übernahmen im Gewerbe und Handwerk – Gastronomie ist übernahmestärkste Branche
Die meisten Unternehmensübernahmen finden dort statt, wo Österreich täglich lebt und wirtschaftet: 30,5 Prozent entfallen auf Gewerbe und Handwerk, 25,1 Prozent auf Tourismus und Freizeitwirtschaft, 19,9 Prozent auf den Handel. Mit 1.575 Betriebsübernahmen ist die Gastronomie die übernahmestärkste Branche des Landes, gefolgt von Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie sowie dem Versand- Internet- und allgemeinen Handel.
Jede Übernahme wirkt weit über den Betrieb hinaus
Jede gelungene Betriebsübernahme sichert nicht nur einen einzelnen Betrieb, sondern Arbeitsplätze, Lehrstellen, regionale Wertschöpfung und unternehmerisches Know-how gleich mit.
Eine Studie der KMU Forschung Austria zeigt, wie groß der wirtschaftliche Mehrwert von Übernahmen tatsächlich ist:
- Mehr Umsatz: 61 Prozent der Nachfolger:innen steigern den Umsatz ihres übernommenen Betriebs.
- Mehr Investitionen: 60 Prozent investieren mehr als ihre Vorgänger:innen.
- Mehr Arbeitsplätze: 36 Prozent schaffen zusätzliche Jobs, in etwa der Hälfte der Betriebe bleibt die Beschäftigung stabil.
Politik muss Weg freimachen für erfolgreiche Betriebsnachfolgen
So erfreulich die Rekordzahlen sind: Erfolgreiche Nachfolgen brauchen die passenden Rahmenbedingungen. Hohe Finanzierungskosten, steuerliche Belastungen und unnötige Bürokratie sind nach wie vor Bremsklötze bei Übernahmen.
Deshalb braucht es gezielte Verbesserungen:
- Steuerliche Erleichterungen bei Übergaben: Anhebung des Freibetrags für Veräußerungsgewinne von derzeit 7.300 Euro auf 45.000 Euro – für mehr Spielraum beim Generationenwechsel.
- Praxistaugliche Begünstigungen: Senkung der Altersgrenze für die Tarifbegünstigung (Hälftesteuersatz), damit Betriebe zum wirtschaftlich richtigen Zeitpunkt übergeben werden können, sowie der Entfall des Berufsverbots für die Nutzung des Hälftesteuersatzes.
- Mehr privates Kapital: ein neuer Beteiligungsfreibetrag, mit dem private Beteiligungen an Betriebsübernahmen bis 100.000 Euro über fünf Jahre steuerlich absetzbar werden – für leichter finanzierbare Übernahmen.
WKÖ unterstützt erfolgreiche Betriebsnachfolgen
Mit der "Nachfolgestrategie für Österreich" hat die Junge Wirtschaft (JW) gemeinsam mit Expert:innen ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Stärkung von Betriebsübergaben entwickelt. Zentrale Vorschläge – darunter eine Nachfolge-Taskforce, das Weiterbildungsprogramm NextGen4Austria und die Verlängerung der Grace Period von drei auf fünf Jahre – wurden bereits von der Bundesregierung umgesetzt.
Selbst Interesse an einer Betriebsübernahme?
Diese WKÖ-Angebote unterstützen zusätzlich bei der Betriebsnachfolge:
- Leitfaden zur Betriebsnachfolge: Orientierung für den gesamten Übergabeprozess.
- Roadmap "Einfach Nachfolgen": Schritt-für-Schritt-Anleitung von der Planung bis zur Übergabe.
- Nachfolgebörse des Gründerservice: kostenlos, mit über 1.000 aktiven Inseraten Österreichs größte Online-Plattform für Unternehmensnachfolgen.
- Persönliche Beratung: 2.300 Nachfolgeberatungen fanden 2025 österreichweit durch die Wirtschaftskammern statt.
- Nachfolgeherbst: rückt das Thema mit Veranstaltungen, Informationen und Vernetzungsmöglichkeiten gezielt in den Fokus.
Die nächste Generation steht bereit – jetzt ist die Politik am Zug
Eine Betriebsübernahme verlangt Mut, unternehmerisches Gespür und den Willen, jeden Tag aufs Neue Entscheidungen zu treffen. Dass sich immer mehr Menschen für diesen Schritt entscheiden, zeigen die Rekordzahlen 2025 eindrücklich. Damit aus dieser Dynamik eine echte Erfolgsgeschichte für den Standort wird, braucht es jetzt verlässliche Rahmenbedingungen: steuerliche Begünstigungen bei Betriebsübergaben, mehr privates Beteiligungskapital und mehr Bewusstsein für die Chance, die in einer Übernahme steckt.