Kollektiv­vertrag: Diese 7 Begriffe musst du kennen

Damit du beim Thema Kollektivvertrag mitreden kannst: Hier die 7 wichtigsten Begriffe für dich. 


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

  • Wissenshungrige
  • Wirtschaftseinsteiger:innen

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Lukas Schwaighofer-Fugger

Illustration Gesprächssituation i
AdobeStock

Jedes Jahr im Herbst sind die Kollektivverträge in aller Munde. Damit du für jede Diskussion gerüstet bist, erklären wir dir hier die 7 wichtigsten Begriffe rund um's Thema der Stunde.

Mit den Lohn-Verhandlungen der Metaller hat diese Woche die alljährliche Herbstlohnrunde begonnen. Um zu verstehen, worum es dabei genau geht, solltest du diese 7 Begriffe kennen: 

Begriff #1: Kollektivvertrag

Wir haben dir ja bereits erklärt, was der Kollektivvertrag ist und warum wir ihn brauchen. Deshalb kurz zusammengefasst: Beim KV handelt es sich um eine Vereinbarung, die zwischen Sozialpartnern entweder für ganze Branchen oder große Betriebe ausgehandelt wird. Aufseiten der Arbeitnehmer:innen schließt der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) Kollektivverträge ab. Auf Arbeitgeber-Seite sind dies hauptsächlich die Fachorganisationen der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ)

Begriff #2: Inhalte von Kollektivverträgen

In erster Linie regeln Kollektivverträge Rechte und Pflichten der Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen in Bezug auf Dinge wie Arbeitszeit, Sonderzahlungen, Zulagen und Zuschläge oder Lohn- und Gehaltstabellen. Abweichende Vereinbarungen sind, solange im KV nichts anderes festgelegt ist, nur gültig, wenn sie für die Arbeitnehmer:in günstiger sind.

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Begriff #3: Kollektivvertragsfähigkeit

Kollektivvertragsfähig sind Interessenvertretungen dann, wenn sie gegnerunabhängig, sprich der Arbeitgeber- oder der Arbeitnehmer-Seite klar zuzuordnen sind. Das trifft auf eine ganze Reihe von gesetzlichen Interessenvertretungen wie die Arbeiterkammer, die WKÖ sowie die Kammern der freien Berufe (z. B. Ärzt:innen) zu. Daneben gibt es freiwillige Berufsvereinigungen sowie bestimmte Vereine, denen die Kollektivvertragsfähigkeit zuerkannt wird (z. B. ÖGB oder der Verband der Banken und Bankiers). 

Begriff #4: Mindestlohnerhöhung

Wenn hiervon die Rede ist, dann heißt das, dass die kollektivvertraglichen Mindestlöhne und -gehälter erhöht werden, nicht aber jene, die bereits darüber liegen.

Das sind die sogenannten Ist-Löhne - unser Begriff #5.

Begriff #5: Ist-Lohnerhöhung

In diesem Szenario werden die tatsächlichen Löhne und Gehälter, also die Ist-Löhne, erhöht. Das trifft auch zu, wenn sie bereits über den oben erwähnten, kollektivvertraglichen Mindestlöhnen und -gehältern liegen.

TIPP!

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Begriff #6: Satzung

Eine Satzung ist eine Verordnung und sie erweitert den Geltungsbereich eines KV. Sie stellt sicher, dass Arbeitgeber:innen, die keinem Kollektivvertrag unterliegen, ihren Mitarbeiter:innen die gleichen Lohn- und Arbeitsbedingungen bieten, wie sie auch im Kollektivvertrag festgelegt wären.

Begriff #7: Anwendung des richtigen Kollektivvertrags

In Österreich gibt es rund 450 Kollektivverträge. Welcher am Ende des Tages für die Arbeitgeber:in zum Tragen kommt, hängt auch davon ab, zu welchem Verband diese gehört. Auf der anderen Seite ist es egal, ob eine Arbeitnehmer:in der Gewerkschaft angehört, die am Kollektivvertragsabschluss beteiligt ist.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ein Kollektivvertrag wird zwischen Sozialpartnern ausgehandelt.
  • Kollektivverträge regeln Rechte und Pflichten der Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen.
  • Kollektivvertragsfähig ist, wer gegnerunabhängig und für die Regelung von Arbeitsbedingungen zuständig ist.
  • Mindestlöhne und -gehälter können erhöht, die Ist-Löhne aber nicht angegriffen werden. Und umgekehrt.
  • Eine Satzung ist eine Verordnung zur Erweiterung des Geltungsbereiches eines KV.
  • Die Zugehörigkeit zum jeweiligen Arbeitgeberverband bestimmt, welcher KV zum Tragen kommt.
  • Angesichts der enorm herausfordernden Situation für Haushalte und Unternehmen wird es bei den heurigen KV-Verhandlungen in besonderem Maße Verantwortungsbewusstsein und Augenmaß der Verhandlungspartner benötigen.