Unternehmer warnen: Arbeitszeit­verkürzung bedroht Wohlstand

Österreichische Unternehmer warnen vor den Folgen einer Arbeitszeitverkürzung.


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  • Weiterdenker:innen
  • Wirtschaftseinsteiger:innen

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: Connie Wagenhofer

Illustration zum Thema Arbeitszeit i
Nuthawut | stock.adobe.com

Die Verschärfung des Arbeitskräftemangels und die Verteuerung der Produktion bringen Wettbewerbsnachteile für Österreichs exportorientierte Wirtschaft.

Gleiches Geld für weniger Arbeit hört sich für viele Arbeitnehmer:innen wahrscheinlich gut an. Würde die Normalarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich reduziert, könnte das – auch für Arbeitnehmer:innen – jedoch unerfreuliche Konsequenzen haben, wie sechs Unternehmer in einer MARI€-Blitzumfrage warnen.

Arbeitszeitverkürzung gefährdet Wettbewerbschancen und Wohlstand

"Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, des Fachkräftemangels und der wirtschaftlichen Verwerfungen bringen Forderungen nach gesetzlichen Arbeitszeitverkürzungen mit Lohnausgleich massive Wettbewerbsnachteile und gefährden den Wohlstand", sagt Christoph Jordan, Geschäftsführer des Mäh- und Schneidetechnik-Unternehmens Busatis.

Stefan Ehrlich-Adám i
EVVA/Florian Wieser

Wir sind bei den Lohnstückkosten schon jetzt Spitzenreiter.

Stefan Ehrlich-Adám, Geschäftsführer der EVVA Sicherheitstechnologie GmbH

Der Geschäftsführer der EVVA Sicherheitstechnologie GmbH Stefan Ehrlich-Adám rechnet vor: "Eine 20-prozentige Arbeitszeitverkürzung bedeutet eine Verteuerung der Lohnstückkosten um 20 %. Wir sind bei den Lohnstückkosten schon jetzt Spitzenreiter." Offen bleibe, wie man bei einer weiteren Verteuerung die Produkte der metalltechnischen Industrie im Ausland absetzen könne. "8 von 10 Euro werden in unserer Branche durch Export erwirtschaftet", sagt Ehrlich-Adám.

Arbeitskräftemangel wird verschärft

Ganz abgesehen von der Wettbewerbsfähigkeit gibt es auch noch das Thema Arbeitskräftemangel, auf das alle Unternehmer in der MARI€-Blitzumfrage hinweisen. "Allein unserem Unternehmen würde auf einen Schlag die Leistung von 120 Mitarbeitern fehlen", sagt Herbert Decker, Geschäftsführer der MFL Maschinenfabrik Liezen und Gießerei mit 700 Beschäftigten. "Alle, die Arbeitszeitverkürzung fordern, können mir sicher erklären, wo wir die Beschäftigten hernehmen sollen – und wer die zusätzlichen 120 Beschäftigten bezahlt. Unsere Kunden beziehungsweise der Weltmarkt, von dem wir abhängig sind, werden dies nämlich nicht tun."

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WKÖ/DMC

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Individuelle Arbeitszeitmodelle jetzt schon möglich

"Die Mitarbeitersituation im Handel würde sich zuspitzen und im Fall von INTERSPORT kleinere Händler, meist Familienbetriebe, zu drastischen Einschnitten, beispielsweise bei den Öffnungszeiten zwingen, die nicht im Sinn der Konsumenten sind", sagt Thorsten Schmitz, der Geschäftsführer von INTERSPORT Austria.

Bereits jetzt sei es im Handel möglich, flexibel auf die individuellen Arbeitszeitvorstellungen von neuen und bestehenden Mitarbeitern einzugehen. "Die Reduktion der Normalarbeitszeit würde den Arbeitskräftemangel jedoch verschärfen", sagt Schmitz. 

Thomas Schmitz i
INTERSPORT

Die Reduktion der Normalarbeitszeit würde den Arbeitskräftemangel jedoch verschärfen

Thorsten Schmitz, Geschäftsführer von INTERSPORT Austria

"Eine Vollarbeitszeit von 38,5 Stunden kann man auch in 4 Tagen machen", sagt Chef der Elektro Wirth Andreas Wirth, "diese Möglichkeit gibt es." Durch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Teilzeitarbeit könnten die Unternehmen mit Arbeitszeitthemen selbst umgehen, meint Busatis-Chef Jordan, "nicht jedoch mit den dramatischen Auswirkungen der Teuerung auf die Zukunft der österreichischen Wirtschaft und Industrie".

Arbeitsplätze durch kürzere Arbeitszeiten bedroht

"In der jetzigen Situation mit turbulenten wirtschaftlichen Jahren vor uns und hinter uns ist die Verkürzung der Arbeitszeit ein No-Go und unverantwortlich gegenüber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern", sagt Wirth, "das kann zum Verlust von Arbeitsplätzen führen, weil es Firmen geben wird, die das nicht schaffen."

Davor warnt auch Andreas Lahner, Inhaber der Lahner KG, die auf Oberflächentechnik spezialisiert ist: "Die hohen Energiekosten und die Inflation lassen die Spannen bereits jetzt teilweise auf 1 % und darunterfallen. Wenn wir durch Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich 20 % mehr Personalkosten haben, können wir knapp kalkulierte Aufträge nicht mehr annehmen." Die Folge wären Kündigungen.

Produktivität in der Industrie nicht beliebig steigerbar

"Es gibt die Mär, dass die Produktivität bei jeder Arbeitszeitreduktion gestiegen ist", sagt Lahner. In den 1970er-Jahren hätte es noch einige Prozent Produktitivätszuwachs gegeben, da sei die Verkürzung der Arbeitszeit stemmbar gewesen. "Seit ein paar Jahren konnte die Industrie die Produktivität nicht mehr steigern", sagt Lahner. Bei teuren Krediten und dem negativen Ergebniswachstum der Industrie sei auch die Innovationsfreudigkeit gedämpft.

Beim Stichwort Produktivitätssteigerung reagiert Decker verärgert in Richtung jener, die eine Arbeitszeitverkürzung fordern: "Erklären Sie unseren Stahlgießern, Schweißern, Zerspanern und all unseren Beschäftigten persönlich Ihre Studien. In diesen unterstellen Sie nämlich den Mitarbeitern, dass sie vor lauter Freude über die Arbeitszeitverkürzung plötzlich die gleiche Leistung wie vorher in deutlich weniger Zeit schaffen. Schwer arbeitende Menschen werden mit diesem Vorschlag verhöhnt und hinters Licht geführt." 

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wenn bis zu 20 % der Arbeitszeit wegfallen, braucht es mehr Arbeitskräfte, was den Arbeitskräftemangel weiter verschärft.
  • Eine kürzere Normalarbeitszeit bei gleichem Lohn bringt höhere Lohnstückkosten.
  • Verteuerungen in der Produktion bedeuten Nachteile im Wettbewerb unserer exportorientierten Wirtschaft und Auftragsverluste.
  • Österreich hat im Vergleich mit anderen Ländern bereits sehr hohe Lohnkosten.
  • Die Produktivität in der Industrie lässt sich kaum steigern.
  • Durch knappe Margen bedroht eine Verteuerung der Arbeitszeit Unternehmen und damit Arbeitsplätze.