Kinder­betreuung: So wird Österreich bis 2030 zum Vorreiter

Was in Österreichs Kinderbetreuung passieren muss und was die Verbesserungen kosten.


Wer diesen Beitrag lesen sollte:

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  • Problemlöser:innen

Lesedauer:

3 Minuten

AutorIn: David Sievers

Betreuerin in einer Kindergartengruppe i
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Von Kinderbetreuung und Kinderbildung profitieren alle, doch Österreich hat hier großen Aufholbedarf. Hier erfährst du, welche 3 Maßnahmen unbedingt umgesetzt werden müssen, was sie kosten – und wie sie Österreich zum Vorreiter machen.

Noch immer arbeiten in Österreich fast zwei Drittel der Mütter von Kindern unter 6 Jahren in Teilzeit, weil die Angebote für Kinderbetreuung keine Alternative zulassen. Das behindert nicht nur die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die angespannte Situation in der Kinderpädagogik führt auch zu Fachkräftemangel und ungerechter Chancenverteilung für die Kinder selbst.

So steht Österreich bei der Kinderbetreuung im EU-Vergleich

  • Betreuungsquote von unter 3-Jährigen: Österreich liegt mit 29,9 % auf Platz 21 der EU-27.
  • Hoher Teilzeitanteil: Die Teilzeitquote von Müttern mit Kindern unter 6 Jahren liegt mit 71,6 % EU-weit an 2. Stelle.
  • Geringe Investitionen: Mit 0,7 % des BIP liegt Österreich knapp unter dem OECD-Durchschnitt.

Illustration Kinderbildung & Kinderbetreuung i
WKÖ

Daten & Fakten

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Um Eltern und Pädagog:innen zu entlasten, braucht es Optimierungen in 3 Handlungsfeldern:

Handlungsfeld #1: Frühkindliche Bildung fördern

Kindertagesstätten (KITAs) sind mehr als reine Beaufsichtigungseinrichtungen – für die derzeit rund 300.000 Kinder in Österreich sind sie neben der Familie die ersten Bildungsorte ihres Lebens. Aus diesem Grund müssen Betreuungsschlüssel und Gruppengrößen für KITAs bundesweit vereinheitlicht werden, um den Wandel hin zu frühkindlichen Bildungszentren zu vollziehen. 

Handlungsfeld #2: Ausbau des Angebots

Nur mit einem angepassten Angebot für eine qualitätsvolle Kinderbetreuung haben Eltern die Chance, Familie und Beruf zu vereinen – und Wahlfreiheit. Ganz vorne stehen dabei die Ausweitung der Öffnungszeiten und des quantitativen Angebots durch institutionalisierte Strukturen, betriebliche Angebote sowie neue Marktinitiativen und auch private Kinderbetreuungsangebote – bundesweit und leistbar mit sozialer Staffelung. 

Handlungsfeld #3: Personal- und Ausbildungsoptimierung

Nicht nur die Personalstärke in Kindergärten behindert die notwendige Ausweitung von Öffnungszeiten und den Ausbau der Betreuungsinfrastruktur, auch die Ausbildung und die Arbeitsbedingungen von Erzieher:innen halten nicht mit den realen Anforderungen Schritt. Was es deshalb braucht: Ein breites Ausbildungsangebot für Erwachsene sowie flexiblere Rahmenbedingungen und Entlastungen für pädagogische Fachkräfte.

Kinderbetreuung in Österreich: Ziele und Kosten für den Ausbau

Durch die oben beschriebenen Optimierungen in den 3 Handlungsfeldern werden 3 konkrete Ziele verfolgt, um Österreich bis 2030 zu einem Vorreiter in Sachen Kinderbetreuung zu machen: 

  • Ziel #1: Eine Anhebung der Betreuungsquote für unter 3-Jährige auf 45 %
  • Ziel #2: Echte Wahlfreiheit für die Betreuung der 3- bis 6-Jährigen
  • Ziel #3: Eine Ausweitung der Öffnungszeiten um 2 Stunden pro Tag

Die Gesamtkosten des Ausbaus belaufen sich bis 2030 auf 6,32 Milliarden Euro, wovon knapp 4 Milliarden Euro allein für den dringend notwendigen Personalaufbau anfallen. Dieses Geld ist allerdings gut investiert, denn eine hochwertige Kinderbetreuung ermöglicht nicht nur Eltern eine echte Wahlfreiheit – jeder in die Elementarpädagogik investierte Euro kommt achtfach in die Gesellschaft zurück. Zudem betragen laut Analysen die fiskalischen Effekte beim Erreichen der gesetzten Ausbauziele rund 1,6 Milliarden Euro pro Jahr. Das BIP erhöht sich um insgesamt rund 7,01 Milliarden Euro pro Jahr ab 2030.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Österreich liegt in der Kinderbetreuung weit unter dem EU-Durchschnitt
  • Um die Situation bis 2030 zu verbessern, braucht es Anpassungen auf 3 Ebenen: Förderung der frühkindlichen Bildung, Ausbau des Angebots und die Personal- und Ausbildungsoptimierung.
  • Die Kosten für die Maßnahmen belaufen sich bis 2030 auf 6,32 Milliarden Euro.
  • Jeder in die Elementarpädagogik investierte Euro kommt der Gesellschaft in Zukunft achtfach zugute.